Zauber und Staub

Sandwich Kind

Auf einmal sind wir 5.
Gut. So überraschend kam das dann doch nicht… wir konnten uns alle 9 Monate lang darauf vorbereiten – und die Freude war groß. Denn Nr. 3 ist tatsächlich der von allen heiß ersehnte Bruder. „Wann kommt der Bruder raus, Mama?“ Johanna (bald 3) konnte es zum Schluss kaum erwarten. Und Emma (9), die, wie es der Zufall so will, genau zur selben Zeit (nämlich 4 Wochen früher) in ihrer anderen Familie ebenfalls ein Geschwisterchen bekam, ist ebenso erleichtert. „Mama, ich bin echt froh, dass es nicht noch ein Mädchen ist, 2 Schwestern reichen mir!“ Puh. Glück gehabt.
Jakob ließ sich Zeit. Eine Woche nach dem errechneten Termin war der Bruder dann endlich da. „Ich will ihn auf den Arm nehmen!“ Johanna liebte ihn von Sekunde 1 an. „Er ist so süß, Mama!“ Sie liebt ihn laut, wild, ungestüm, und manchmal mit viel Gebrüll. „Ich will nicht ins Bett (Kindi/ Zähneputzen/ etc.) ich will bei Jakob bleiben!“ Und ebenso groß, wie die Liebe, ist die Verwirrung. Johanna sucht nach ihrem Platz in der Familie – laut, wild, ungestüm und mit viel Gebrüll.
„Mama, gib den Jakob ab, ich muss auf deinen Arm!“ Abwechselnd imitiert sie das Baby und die große Schwester. „Ich muss noch nicht ins Bett, ich bin schon voll groß!“ Und Dinge, die vor Jakobs Geburt Selbstläufer waren, sind auf einmal unheimlich schwer. Zähneputzen. Auf’s Klo gehen („Mama! Ich hab leider Pipi auf’s Sofa gemacht, aber macht nix, gell?“). Selbst essen. Alleine spielen.
Na das war ja zu erwarten… werden Mehrfach-Eltern und andere Profis denken. Und ja, wir hatten uns auf eine anstrengende Zeit eingestellt, bis alle sich sortiert haben. Doch nichts bereitet dich wirklich auf den wahren Schmerz einer knapp 3-Jährigen vor, die versucht, zwischen Freude, Liebe, Zurückweisung, Selbstbehauptung und Trotz ihren Platz zu finden. „Johanna, das geht jetzt nicht!“ ist einer der Sätze, den sie neben „Nicht so laut!“ wohl gerade am häufigsten hört. Als ob es mit knapp 3 Jahren nicht eh schon schwer genug wäre, zu akzeptieren, dass der eigene grandiose Plan bei Eltern und großer Schwester nicht auf Zustimmung stößt. Und wenn letztere ihr dann auch noch die Tür vor der Nase zu knallt, weil sie gerade keinen Bock auf die kleine Schwester hat, dann ist der Tag schon gelaufen, bevor er angefangen hat und die Tränen fließen in Strömen.
„Sandwich-Kinder haben es nicht leicht – und das wird auch erst mal so bleiben.“ meint die Hebamme, die selbst eins hat. Das ist inzwischen 13. „Doch sie lernen auch unheimlich viel für’s Leben dadurch. Meist werden aus ihnen starke Persönlichkeiten, die ihren Weg gehen, und wenn es noch so viel Gegenwind gibt.“ Wahrscheinlich weise und wahre Worte, die Mut machen sollen. „Bis dahin kannst du nur versuchen, ihr zu zeigen, dass du sie siehst – und ernst nimmst. Und dennoch hast du eben 3 Kinder – und das muss sie lernen.“
Jakob ist jetzt 3 Wochen alt. Wahrscheinlich dauert es noch ein Weilchen, bis wir uns wirklich sortiert haben. Und vermutlich sortieren wir auch immer mal wieder um.
Doch so lang Johanna ihren kleinen Bruder, wenn sie aus der Kita heim kommt, erst ein mal sucht („Mama, wo ist der Bruder?“) und dann freudestrahlend begrüßt („Jakob! Ich hab dich so vermisst!“), mache ich mir keine Sorgen, dass am Ende jeder seinen Platz finden wird.

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