Zauber und Staub

Traurig oder nichts

Alles, was ich momentan schreiben würde, wäre irgendwie negativ. Also schreibe ich lieber nichts. Denn wer will schon ständig von Ehekrisen, kranken Kindern und verfehlten Lebenszielen lesen. Das hat doch jeder selbst daheim – das will doch keiner lesen. Noch schlimmer als Krisen sind nur noch Tragödien – und selbst das habe ich in den letzten Tagen eine erlebt. Ich bin traurig. Müde. Ein bisschen ratlos. Und selbst in diesem Moment, wenn ich versuche, in meinem Kopf sinnvolle Sätze zu bilden, steigen mir die Tränen in die Augen.
Eine sehr gute Freundin hat vor zwei Tagen ihr Baby verloren. Das heißt… wann das kleine Herzchen wirklich aufgehört hat zu schlagen, kann niemand genau sagen, aber vor zwei Tagen wurde es eben festgestellt. Es wäre ihr zweites Kind gewesen, sie war so voller Vorfreude und Aufregung und betriebsamer Geschäftigkeit – ich war eine er allerersten, die vor einigen Wochen davon erfuhr. Weil sie es nicht mehr ausgehalten hat, ihr Glück nicht mit irgendjemandem zu teilen.
Und dann war vor 2 Tagen, mit einem Blick auf den Monitor des Ultraschallgerätes, alles vorbei.
Mein Mitgefühl lässt mich nur im Ansatz erahnen, wie sehr solch ein Verlust schmerzen muss. Denn was die meisten Ärzte außer Acht lassen, und was viele gut gemeinte „ach, dann war es einfach nicht gesund“-Ratschläge nicht beherzigen:
Wir sind Mutter.
Von der ersten Sekunde an. Vom ersten Erahnen eines 2. Streifens auf dem Schwangerschaftstest an, sind wir Mutter. Wir haben nicht einen „nicht lebensfähigen Zellklumpen“ in uns. Es ist unser Baby. Von Sekunde 1 an. Und auch wenn das Geschlecht und der Name des kleinen Wunders vielleicht noch einige Zeit lang nicht feststehen werden, sehen wir vor unserem inneren Auge bereits ein ganzes Leben vor uns. Und tragen es mit.
Ein Kind zu verlieren, völlig egal in welchem „Stadium“ oder Alter, ist das aller Allerschlimmste, was einem Menschen passieren kann.
Und plötzlich ergibt sich für mich aus all der Trauer etwas Positives. Denn ich HABE zwei gesunde Töchter. Sie bringen mich um den Schlaf und rauben mir zeitweise sowohl Nerven, als auch Verstand – aber ich habe sie. Jetzt, heute, in diesem Moment. Was gibt es Besseres.
Wie viel mehr habe ich, als all diese tausenden von Frauen (und Männer), bei welchen sich an den einen Verlust nur der nächste reiht. Und was für ein Mensch bin ich, dass ich mich darüber beklage, dass sie andauernd krank sind. Oder aufmüpfig. Oder schlecht schlafen.
Gott sei Dank tun sie das – denn sie leben.

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