Zauber und Staub

R. E. S. P. E. C. T!

Johanna ist schon die ganze Woche krank. Sie hat seit 5 Tagen teils sehr hohes Fieber (über 40° Grad), einen fiesen Husten und ist insgesamt eher ein Schleimmonster, als ein Baby. Ich komme zu nichts. Nicht mal zum Schreiben.
Dem aufmerksamen Leser wird klar sein, dass Johanna keins dieser Kinder ist, die mit Fieber nur noch schlafen – im Gegenteil, sie schläft im Prinzip gar nicht mehr. Die Nächte sind ein Drama und die Tage ein Marathon. Sie hängt an mir dran, weint viel, isst nicht, und lässt sich nur mit kleinen Youtube-Videos für einige Zeit „ruhig stellen“ (damit ihr Körper zur Ruhe kommt, nicht ich, natürlich.)
Selbstverständlich kümmere ich mich um sie. Selbstverständlich habe ich mich vom Kinderarzt die ganze Woche krank schreiben lassen und somit 5 von 10 „Kind-krank-Tagen“ pro Jahr schon im Februar aufgebraucht. Selbstverständlich übernehme ich die Nächte und habe ein glühendes, zappelndes Kleinkind auf meiner Brust (Bauch / Hals / Beinen, wo es eben gerade gemütlich ist) liegen, und mache kaum ein Auge zu, während der Gatte (oh ja, diese Bezeichnung benutze ich nur, wenn ich angesäuert bin) in friedlicher Ruh und mit Oropax auf dem Sofa nächtigt, weil er ja arbeiten muss.
Denn schließlich bin ich die Mutter. Schließlich arbeite ich nur Teilzeit. Schließlich kann ich ja tagsüber schlafen. Und schließlich und schlussendlich… wollte ich das ja so.
Soweit so gut. Dem Kind geht es wirklich schlecht, deshalb kann ich diese Aufteilung irgendwie akzeptieren.
Richtig wild wird es aber, als ich Simon mitteile, ich müsse am Freitag unbedingt für 2 Stunden ins Büro, einige Dinge erledigen, bevor ich Montag und Dienstag wegen Emma’s Schulferien Urlaub habe.
Das sollte meiner Meinung nach kein Problem sein, da er sowieso frei hat, um sich mit seinem besten Kumpel zum Frühstück zu treffen und danach übers Wochenende Skifahren zu gehen. Denke ICH.
Er hingegen reagiert auf meine Ankündigung völlig entsetzt. „Dir ist aber schon klar, dass ich am Freitag nicht da bin?“ „Wieso, du hast doch Urlaub, dachte ich?“ ich heuchle ehrliches Erstaunen, innerlich beginnt es schon zu brodeln. Eigentlich schade, dass ich irgendwie mit diesem Konflikt gerechnet habe. „Ja aber ich habe ja nicht frei, um auf Johanna aufzupassen, ich habe ja Pläne!“
Ach so. Der Herr hat PLÄNE. Wie komme ich nur darauf, dass die Betreuung des kranken Kindes (für 2 Stunden, wohlgemerkt, nicht für 3 Tage! Und damit ich kurz ins Büro gehen kann, nicht zum Friseur!) in der Prioritätenliste ÜBER der Freizeitplanung meines Mannes angesiedelt sein könnte.
Doch er ist sich der Richtigkeit seiner Position vollkommen sicher. „Und überhaupt, was soll das schon bringen, 2 Stunden ins Büro zu gehen? Freitags passiert doch eh nichts mehr!“
Ich explodiere. Förmlich.
Mir ist bewusst, dass ich den Grad der Fairness verlasse – aber schließlich hat ER damit angefangen.
Ich war schon lange nicht mehr SO wütend. Es ist mit sogar egal, dass Emma mit am Tisch sitzt und uns mit großen Augen beobachtet.
Was folgt ist ein fieser Streit, der damit endet, dass er während des Essens vom Tisch aufsteht, mit dem Kommentar, er habe jetzt wirklich keinen Bock auf so eine Scheiße.
Wir streiten nicht oft. Aber WENN, dann fliegen die Fetzen. Es fallen unschöne Worte und es wird laut. So lang, bis Simon flieht. Er flieht immer.
In den folgenden 2 Stunden absoluter Funkstille komme ich zu dem Schluss, dass ich wahrscheinlich wirklich selbst schuld bin an dieser Misere. Weil ich ihm immer wie selbstverständlich den Rücken frei halte. Er ist es nicht anders gewohnt. Ich stelle mich selbst in den Hintergrund, weil er ja der Hauptverdiener ist und ich nur die, die mit ein paar Stunden am Tag noch einige Groschen dazu verdient und sich sonst natürlich um die Kinder und den Haushalt  kümmert. Ich selbst benutze diese Begriffe. Und stelle mich somit automatisch mindestens eine Stufe unter ihn auf dem Treppchen der Gleichberechtigung. Wie kann ich von ihm Respekt und Anerkennung erwarten für das was ich tue, wenn es mir selbst schwer fällt, es nicht als „irgendwie minderwertig“ zu betrachten? Nur Teilzeit, nur Sekretärin, nur so und so viel Gehalt, nur den halben Tag Zeit für Kinder und Haushalt, nur eine Frau. 

Mir wird klar, dass ich was ändern muss. Und da ich nicht kurzfristig zur Topmanagerin aufsteigen kann (und WILL) gibt es nur eins, was ich ändern kann: meine Einstellung. 

 

 

 

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