Emma's Weisheit · Zauber und Staub

Jonathan

Emma (8) ist zum ersten Mal verliebt.
Ich habe das natürlich schon länger bemerkt, sie aber bewusst nicht darauf angesprochen. Doch irgendwann hält sie es nicht mehr aus. Sie erzählt von der Schule und von Jonathan, und dass er ihr einen Stift geschenkt habe. „Mama, du brauchst gar nicht so zu gucken!“ „Ich hab gar nicht geguckt!“ Habe ich wirklich nicht. Ich habe mir immer die aller größte Mühe gegeben, völlig neutral auf ihre Schilderungen über Jonathan zu reagieren. „Doch Mama. Du hast geguckt. Was denkst du denn jetzt?“ Ich stelle mich dumm. „Was soll ich denn denken?“ „Na wegen dem Jonathan, weil er mir einen Stift geschenkt hat und so. Was denkst du?“ „Ich denke, dass das ganz schön nett ist von ihm!“ „Sonst nix?“ Ich muss mir mein Grinsen wirklich verkneifen, so süß ist es, wie sie darum bettelt, dass ich nachfrage.
„Emma. Wenn du mir irgendwas sagen willst, dann tu es einfach. So lang du es mir nicht erzählst, gehe ich davon aus, dass du es mir nicht erzählen willst.“ „Ach Mama. Jetzt stell dich doch nicht so dumm an!“ sie verdreht die Augen.
„Also gut. Mir ist schon aufgefallen, dass du den Jonathan bis vor kurzem immer noch ziemlich doof fandst. War das nicht der, der dich auch immer Brillenschlange gerufen hat?“ „Ja, aber das macht er jetzt nicht mehr.“ sie lächelt zufrieden. „Oder zumindest nur noch ganz selten. Wenn seine Kumpels dabei sind, dann macht er so was, aber sonst nicht. Sonst ist er eigentlich ganz nett zu mir.“ „Na das sind ja gute Neuigkeiten.“ „Außerdem hat er ja selbst auch eine Brille. Also von daher…“ Ich nicke. „Na dann hat er wohl eingesehen, dass es ein bisschen sinnlos ist, dich Brillenschlange zu nennen, wenn er selbst eine trägt.“ Emma ist immer noch nicht zufrieden mit meiner Antwort.
„Die Lucia hat gesagt, der is‘ in mich.“ platzt es heraus. „Wie der is‘ in dich?“ (Fällt den Kids nach über 25 Jahren immer noch keine bessere Bezeichnung ein, als damals, als ich in der Grundschule war? denke ich mir)
„Na, du weißt doch, was ich meine!!“ sagt sie ungeduldig.
Ich lenke ein. „Also gut, Emma. Und du? Bist du auch in ihn?“ Sie wird ein bisschen rot und lächelt genant.
„Vielleicht….“

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2 Kommentare zu „Jonathan

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