Zauber und Staub

Emo-Mum

In Johannas KiTa gibt es sympathische Erzieherinnen. Und weniger sympathische. Und dann gibt es die Eine, die morgens meistens Frühdienst hat und sich selten auch nur zu einem freundlichen Guten Morgen durchringen kann. Zeigt die Uhr bei Ankunft 3 Minuten vor 8 Uhr an, ignoriert sie offensichtlich (Glastür!) die Klingel und öffnet dann  schlurfend und mit langem Gesicht. Da fängt der Tag wieder besonders gut an. So auch geschehen heute Morgen.

Schuldbewusst murmle ich etwas von ich weiß, wir sind mal wieder drei Minuten zu früh, und schon die Tatsache, dass ich mich dafür entschuldigen muss, ist mir derart unangenehm, dass sich ein Knoten in meinem Hals bildet. „Haben Sie keine Uhr?“ fragt die Eine schnippisch, und weißt auf die Zwei-Euro-Fünfzig-Analog-Wanduhr, die im Eingangsbereich hängt. Diese zeigt, wie jeden Morgen, nochmal 5 Minuten früher an, als jede normale andere Uhr. „Doch, natürlich. Die hier (ich deute auf die Uhr an der Wand) geht aber auch mindestens 5 Minuten nach!“ entschuldige ich mich wiederum. Muss ich WIRKLICH zum wiederholten Male über einzelne Minuten diskutieren? „Meine Uhr (sie klopft auf ihre Armbanduhr) geht aber genau gleich. Und das ist eine Funkuhr!“ 
Und das ist eine Frechheit
, denke ich, der Knoten im Hals wird größer und ist kurz davor zu explodieren. In solchen Situationen sollte ich wahrscheinlich einfach den Mund halten. Wie es der andere Vater tut, der nur leise beipflichtend ein „Augen auf bei der Berufswahl“ in meine Richtung murmelt.
Es geht nicht. Ich kann nicht. Ich muss… „Ja, sollen wir einfach wieder gehen?“ platzt es aus mir heraus. Nicht professionell. Weiß ich. Aber…
Die Eine ist angestochen. „Wissen Sie, wir haben hier Dinge zu tun vor 8 Uhr. Wie müssen lüften, und aufräumen und viele andere Sachen, und das alles tun WIR in unserer Freizeit.“ Gut, das ist aber NICHT mein Problem, denke ich bei mir. „Wenn Ihnen 8 Uhr nicht reicht, dann müssen Sie eben den Frühdienst buchen!“ schiebt sie noch hinterher.
Natürlich weiß ich, dass Johanna erst ab 8 Uhr angemeldet ist. Ich wurde auch wiederholt darauf hingewiesen, dass ich sie nicht vorher abgeben soll. Mache ich ja auch nicht. Ich achte peinlich genau darauf, dass ich sie bei ihr bleibe (Umziehen, Windelvorrat kontrollieren, Wechselklamotten aufräumen, etc. pp.) bis es MINDESTENS 8:00 Uhr ist. Was allein schon irgendwie absurd ist.
Als ich Johanna in den Frühstücksraum bringe (8:01 Uhr) sitzt ein anderes kleines Mädchen völlig allein am Tisch und nagt an seiner Bretzel. Die Erzieherin ist im Nebenraum betont geräuschvoll am „Dinge tun“.
Ich merke, wie Wut und Tränen in mir aufsteigen. Vollkommen irrational. „Hallo? Jetzt ist es aber nach 8 Uhr!“ rufe ich nach ihr. Johanna schaut mich mit großen Augen an, nimmt auf ihrem kleinen Stühlchen Platz und öffnet ihre Vesperbox. Ihre supersensiblen Antennen registrieren sofort, wenn Mama sich aufregt.
Mit bissigem Gesichtsaudruck schlurft die Eine in den Frühstücksraum und schaut nochmal betont auf ihre Armbanduhr. „JETZT ist es 8 Uhr!“ bäfft sie mich an.
Und dann kann ich mich nicht mehr beherrschen. „Wissen Sie was, es kann sein, dass Sie hier eine doofe Aufgabe haben, es kann sein, dass Ihr Dienstplan falsch ist, und ich glaube Ihnen auch, dass Sie nur Ihren Job machen. Aber zu behaupten, die Uhr da draußen würde richtig gehen, ist einfach frech. Ich habe auch einen stressigen Morgen! Ich stehe auch um 6 Uhr auf, um irgendwann um halb 9 im Büro zu sein. Und dass ich mich dann jedes Mal rechtfertigen muss, wenn ich nur 2 Minuten vor 8 hier rein laufe, dass kann’s einfach nicht sein! Ich lasse Johanna nie vor 8 Uhr unbeaufsichtigt, es kann Ihnen also völlig egal sein, ob ich um 7:55, um 7:57 oder um 7:59 Uhr da bin. Aber jeden Morgen das Gefühl zu haben, man sei hier absolut nicht willkommen, empfinde ich wirklich als schwierig!“ man hört die unterdrückten Tränen ganz deutlich in meiner Stimme.
Mist. Wie es mich aufregt. Das alles. Der Mutterinstinkt will das Kind packen, unter den Arm klemmen und aus der KiTa stürmen.
„Sie brauchen mich jetzt hier gar nicht als die Böse hinstellen!“ keift sie mich an. „Und es gibt auch keinen Grund, gleich so emotional zu werden!“
Stimmt, den gibt es rational gesehen wirklich nicht. Ich wäre auch viel lieber lässig und cool und würde das alles an mir abprallen lassen. Mir ist es auch ein bisschen peinlich. Aber diese unverhohlene Unfreundlichkeit, dieses plakative „Ich will Ihr Kind nicht haben!“ bringt an diesem Morgen das Fass zum Überlaufen.
KiTa-Erzieherinnen sollten von Natur aus ein Mindestmaß an Freundlichkeit an den Tag legen. Wer das nicht fertig bringt, sollte vielleicht eher als Lager-ArbeiterIn bei Lidl anfangen. Schließlich vertrauen wir ihnen jeden Morgen unser Wertvollstes an. Ich erwarte nicht, dass mich jeder mag. Ich erwarte auch nicht, dass jeder morgens gute Laune hat. Das gilt auch für Erzieherinnen. Aber ich erwarte eine Grund-Freundlichkeit, die mir das Gefühl gibt, ich lasse mein Kind in einer positiven Umgebung zurück.
Das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt.
*Schnief*

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