Zauber und Staub

Hormone

Ach, es gibt diese Tage, da wacht man morgens schon mit dem Gedanken an ein frisches Schokocroissant auf. Am liebsten würde man den vernünftigen schwarzen Kaffee in den Ausguss kippen und gegen eine Sweet-Caramel-Schoko-Crisp-Latte austauschen. Falls es die denn gäbe. Und wehe der Mann sagt irgendetwas Kritisches, nein, überhaupt nur irgendetwas nicht total Liebevolles, dann flippt man direkt aus und fängt an zu heulen. Wie kann er nur. So. Gemein sein.
An diesen Tagen findet man grundsätzlich nichts zum Anziehen. Alles sieht irgendwie doof aus. Und der Himmel ist so grau. Und man fühlt sich furchtbar schlecht dabei, das niedliche kleine Baby (Johanna, 15 Monate) ganz allein den gefühllosen Erzieherinnen in der Kita zu überlassen. Außerdem ist man sich sicher, dass man das große Baby (Emma, fast 8) ganz bestimmt nicht herzlich genug verabschiedet hat, als sie sich allein auf den Weg zur Schule gemacht hat. Das arme Kind. Muss allein zur Schule gehen.
Das Schokocroissant ist allgegenwärtig. Die Träne im Augenwinkel allzeit zum Abmarsch bereit. Völlig egal, wieso.
Plötzlich wünscht man sich unbedingt ganz schnell noch ein Baby. So ein kleines, niedliches Ding. Und dann fällt einem direkt wieder ein, dass man ja schon unfähig ist, die vorhandenen Babys zu Genüge zu beachten UND nebenher den Haushalt perfekt zu führen… vielleicht war das mit dem Arbeiten doch keine so gute Idee.
An Tagen wie diesen möchte man sich ein Schild um den Hals hängen mit der Aufschrift „Bitte sprechen Sie mich nicht an!“ Und auf der Rückseite „Free Hugs!“. Zum Wenden.
Und Abends schaut man sich mit Sicherheit irgendwas auf RTL2 im Fernsehen an. „Die Babystation“, oder „Vermisst“ oder irgendwas in der Art. Die Taschentücher griffbereit.
Vorausgesetzt, der Mann ist nicht zuhause natürlich. Was besser für ihn wäre – denn er kann im Prinzip nur alles falsch machen.
Es sei denn, er kommt um 17 Uhr nach Hause, fragt „Schatz, was soll ich für dich kochen?“, räumt nach dem Essen die Küche auf und bringt beide Kinder ins Bett, bevor er einem endlich das frische Schokocroissant mit der Sweet-Caramel-Schoko-Crisp-Latte zur Couch bringt und dazu eine Wolldecke reicht.
Zum Glück weiß man mit über 30 irgendwann, dass diese Tage vorbei gehen. Und die Welt nicht untergehen wird. Morgen ist es bestimmt schon wieder ein bisschen besser.

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