Zauber und Staub

Working Mum

„Klack, klack, Klack, Klack…“ das Klappern meiner Absätze reiht sich harmonisch in das Klappern der vielen anderen Absätze auf dem Weg über den Innenhof zum Büro ein.
Wie die fleißigen Ameisen strömen schwarz und grau gekleidete Männlein und Weiblein in frischen Parfum-Wolken und mit Coffee-to-go-Bechern in der Hand Richtung Bürogebäude. Ich ziehe meinen Mantel fester um mich, es ist Ende Oktober, die Luft ist klar und kalt, der Herbst ist offensichtlich fast vorbei.
„Heute war es doch gar nicht so schwer.“ denke ich, und lasse den Morgen revue passieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ameisen bin ich nämlich schon seit über 2 Stunden auf den Beinen. Heute lief es wirklich ganz gut. Ich bin weniger erschöpft, als die letzten 3 Wochen morgens um die Zeit. Fange ich vielleicht wirklich schon an, mich an den neuen Alltag zu gewöhnen? „Gib dir mindestens 6 Wochen Eingewöhnungszeit!“ riet mir meine Schwester. „Am Anfang denkst du, du schaffst es nicht. Aber du gewöhnst dich dran!“
Am Anfang dachte ich, ich schaffe es nicht. Das Laufrad hat mich wieder. Nur dass ich nun nicht mehr nur ein Kind habe, sondern zwei. Und eines davon ist noch so klein, dass es ein „Warte mal kurz Johanna, Mama muss sich noch schminken!“ eben einfach nicht akzeptiert. Alles ist minutiös durchgeplant. ZU dumm, dass sich diese Kinder einfach selten an den Plan halten. „Ja und dein Mann?“ Stimmt. Das ist auch noch so ein Unterschied. Ich bin nicht mehr alleinerziehend, so wie damals, man könnte annehmen, dass das meine Situation bedeutend verbessert. Grundsätzlich natürlich ja… aber morgens? Für Simon war es völlig neu und erstaunlich, dass er tatsächlich aufstehen muss, wenn Johanna aufwacht, solange ich unter der Dusche stehe. Und dass er sie dann im Prinzip auch gleich wickeln und anziehen könnte, damit ich mich noch schnell richten kann. Woher sollte er das auch ahnen?
Doch er gewöhnt sich dran. Wie wir alle.

Das A und O ist die Vorbereitung. Schulbrot und Kita-Frühstück werden obligatorisch am Vorabend vorbereitet. Genau so, wie Emmas Kleider bereits am Vorabend ausgesucht und zurecht gelegt werden. Morgens ist für „Ich will aber keine Hose anziehen„-Diskussionen schlichtweg keine Zeit. An dieser Stelle muss ich sagen, dass es ein ungemeiner Vorteil ist, dass Emma bereits 7 ist und sich selbst ihr Toast schmiert, eigenständig Zähne putzt und sich alleine anzieht. Ein Traum. So bleibt deutlich mehr Spielraum für umgekippte Milchtassen, 3. und 4. Toastbrote („Mama irgendwie hab ich noch Hunger!“), Laufmaschen in Strumpfhosen und volle Windeln. (Ein strahlendes „Mama! Kacka!“ kann den kompletten Ablauf ruinieren!)
Das eigene Frühstück oder gar das Chaos, das man in der Wohnung hinterlässt, wenn man diese mit wehenden Fahnen verlässt, geraten völlig in den Hintergrund. Inzwischen schaffe ich es immerhin, mir 2 hartgekochte Eier und etwas Gemüse in eine Tupperbox zu schmeißen. Low-Carb, versteht sich.

Ich befinde mich in Woche 4 als „Working-Mum of two“ und es wird einfacher. Ich hätte es ja nicht geglaubt. Heute musste ich tatsächlich noch 10 Minuten vertrödeln, um nicht zu früh in der Kita zu sein. Schließlich ist Johanna dort erst ab 8 Uhr angemeldet, also kann ich sie nicht schon um 10 vor 8 bringen.

Fast hätte ich sogar noch einen Kaffee getrunken.

 

 

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2 Kommentare zu „Working Mum

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