Zauber und Staub

Fifty Shades of Brei

Wie schon ihre große Schwester, ist Johanna ein eher kompliziertes Kind, was das Essen angeht (und was das Schlafen angeht, und… Ach.) Es gibt Babies, die lassen einfach wahllos alles in sich hinein schaufeln. Oder haben zumindest ein bis drei Leibspeisen, die unter Garantie immer funktionieren. Nicht so Johanna. Was am einen Tag mit Genuss verschlungen wird, kommt am nächsten postwendend mit angewidert verzogenem Gesicht wieder heraus. Gern auch prustend und spuckend im hohen Bogen. Ob Gläschen, Pulver-Brei, Obst, Gemüse, mit Fleisch, ohne Fleisch, mit Stückchen, ohne Stückchen, Nudeln, Banane, Gries, Hirse, Quinoa und was es nicht noch alles gibt im Babybrei-Universum… Nichts scheint richtig zu schmecken. Zumindest nicht öfter, als ein mal. „Mama. Das hatte ich doch schon mal. Das will ich nicht mehr.“ Sie ist inzwischen fast 9 Monate alt, hat bereits 4 Zähne und sollte so langsam mal vom Fläschchen runter kommen. Meinen Experten. Meint ihre Mutter. Nicht so Johanna. Das wahre Essen ist nach wie vor flüssig und weiß und kommt aus der Flasche. Ist ja auch soooo viel bequemer. „Hast du mal versucht, sie bei euch mit-essen zu lassen? Einfach eine Portion vor dem Würzen zur Seite tun…“ Ja hab ich. Nudeln gehen ganz gut. Aber Nudeln und Milch ergeben zusammen jetzt auch nicht gerade eine ausgewogene Ernährung. „Ach, das gibt sich von selbst, irgendwann wird sie richtig essen wollen.“ Ja – und bis dahin ernährt sie sich von Milch, Nudeln und ab und an einem gnädig akzeptierten Grießbrei (der im Prinzip ja auch nur aus Milch und Nudeln besteht…)? „Wenn sie richtig Hunger hat, isst sie auch Gemüse!“ Nein, tut sie nicht. Sie brüllt dann vor Empörung, was der ganze Blödsinn mit dem komischen Brei soll, schließlich habe sie Hunger und wolle endlich ihre Milch!

Mal ganz abgesehen von eventuell fehlenden Nährstoffen, verstehe ich jede mit Sorgfalt und Liebe zubereitete und dann verschmähte Baby-Mahlzeit als persönlichen Affront. Ich könnte mich tierisch darüber ärgern. Und von der Menge an Brei und Co, die bei uns im Abfluss und Mülleimer landet, könnte ich problemlos ein weiteres Baby durchkriegen. Bevor ich also anfange, Brei in Tupperschüsseln bei der örtlichen Flüchtlingshilfe abzugeben, muss eine Lösung her. Und die sieht so aus: ich lass‘ es einfach. Keine weich-gekochten Bio-Karotten und pürierten Pastinaken mehr, keine ungesalzene Extra-Wurst, das Kind bekommt eine Chance pro Mahlzeit, und wenn es nicht will, gibt es eben Milch. Bald ist sie ein Jahr alt und darf alles essen. Auch Wurst. Und Brezel. Und ich wette, das lässt sie sich nicht entgehen.

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