Zauber und Staub

Schlimmer geht immer

Ich denke, ich werde doch ein Buch schreiben. Darüber, warum man auf keinen Fall Kinder bekommen sollte. Eine Art Warnung, dass die goldig-grinsenden Pampers-Babies aus dem Fernsehen in der Realität kleine fiese Monster sind. Und dass eine Windel, die bis zu 12 Stunden Trockenheit verspricht, diese Monster auch nicht davon abhält, alle 1 bis 2 Stunden aufzuwachen. Bevor ich weiter schreibe, und zur Beruhigung aller Nicht-Muttis: ich liebe meine Töchter über alles. Ich würde sie nicht hergeben wollen. Nur vielleicht mal ein, zwei, drei Nächte…

Kapitel 1: Kinder rauben dir den Schlaf. Wörtlich.

Die gefühlt härtesten 2 Wochen meines Lebens fingen damit an, dass um 4:15 Uhr, nachdem ich gerade seit einer halben Stunde im Bett lag, Emma vor der Schlafzimmertür stand und wimmerte. „Mama, mir ist schlecht!“ Es folgten 3 Stunden hin- und her Gerenne zwischen kotzender 7-jährigen und schreiendem Baby. Der Mann schlief. Schließlich musste er ja zur Arbeit. Zumindest kommt man da nicht dazu, darüber nachzudenken, dass man in dieser Nacht wohl die 3-Stunden-Marke an Schlaf nicht erreichen wird. Als Emma sich gegen 7:30 endlich ausgekotzt hatte und wieder eingeschlafen war, war Johanna dann endgültig wach. Nur diesen Tag überstehen. Es kann nur besser werden. Ha. Weit gefehlt. Es sollte sich herausstellen, dass Johanna deshalb so unruhig war, weil sie einen fiesen Virusinfekt ausbrütete. 8 Tage Fieber, Husten, Schnupfen, und die Magendarm-Grippe von Emma nahm sie direkt auch noch mit. Frei nach dem Motto schlimmer geht immer schlief sie nun gar nicht mehr. Am Wochenende teilten Simon und ich die Nacht in 3-Stunden-Schichten auf, so kam ich zumindest für 2 Nächte zu etwas Schlaf. Unter der Woche sah das anders aus – schließlich musste der Mann zur Arbeit. Ich fing an, Dinge zu sehen, die nicht da waren… Regelmäßig fielen mir die einfachsten Worte nicht ein, und ich lief ständig gegen Möbel, Türrahmen und dergleichen. Schlafentzug ist eine Foltermethode. Und Kinder sind Meister dieses Fachs.

Selbstverständlich ließ es sich auch nicht vermeiden, dass wir uns anstecken. „Du, leg dich doch einfach mit Johanna ins Bett, das tut euch beiden gut!“ so der gut gemeinte Rat meiner Schwägerin. Nur dass Johanna nicht so das Liege-Baby ist. Und schon gar nicht, wenn sie keine Luft bekommt. Mal ganz abgesehen davon, dass ich noch ein zweites Kind habe, das irgendwie angezogen und pünktlich zur Schule muss. Es ist erstaunlich, was der Körper alles hergibt, wenn er muss. Und mit der richtigen Menge Ibuprofen. Nur mein Spiegelbild, dass meide ich nach wie vor. 👻 Irgendwann muss es doch mal besser werden. Irgendwann muss das Kind doch mal schlafen nachts. Irgendwann… Wir warten immer noch drauf. Den Infekt haben wir überstanden. Jetzt bekommt sie halt die nächsten Zähne. Und wenn die da sind, kommt der nächste Wachstumsschub. 

Ich sollte dringend zum Friseur. Ich sollte dringend Sport machen und mich gesünder ernähren. Ich sollte dringend meine Steuererklärung machen. Ich sollte dringend…. mal 2 Nächte durchschlafen. Oder sagen wir, mal 6 Stunden am Stück schlafen. Man schraubt die Ansprüche ja schon ziemlich runter.

Kapitel 2: Kinder ruinieren dein Aussehen. Wo früher manikürte Fingernägel und gestylte Haare waren, ist jetzt nur noch Traurigkeit. Von der Figur und der Haut ganz zu schweigen.

Kapitel 3: Kinder machen alles schmutzig. Sie kotzen und k*cken über all hin, sie patschen alles mit ihren ekligen kleinen Klebefingern an. Und lecken alles ab. 

Kapitel 4: Kinder ruinieren dein Liebesleben. Keine weitere Erklärung notwendig, siehe Kapitel 1, 2, und 3. 

Kapitel 5: Kinder machen dich arm.

Kapitel 6: Kinder lassen dich sozial vereinsamen. Es gibt Tage, da freust du dich sogar, wenn die Zeugen Jehovas klingeln, weil du seit gefühlt 3 Wochen mit niemand erwachsenen gesprochen hast.

Kapitel 7-23: all die anderen fiesen Gemeinheiten, die du nicht mit einplanst, wenn du denkst, es gäbe auf der Welt nichts schöneres, als eigene Kinder. 

Das mag jetzt alles ziemlich negativ klingen. Und ja, das ist es auch. Und nein, es folgt kein „aber wenn sie dich dann ein mal anlächeln, ist alles wieder gut.“ Ist es nicht. 

All das sollte mal jemand in aller Klarheit formulieren und an den Mann (und die hormongesteuerte Frau) bringen. Und wer das Buch gelesen hat, und immernoch der Meinung ist, sich fortpflanzen zu müssen, der ist vielleicht wirklich bereit dafür. Oder zumindest verrückt genug. Auf jeden Fall kann er, bzw. sie, hinterher nicht behaupten, ich hätte sie nicht gewarnt.

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Ein Kommentar zu „Schlimmer geht immer

  1. Ich empfehle, in der nächsten Runde gnadenlos den arbeitenden Mann zu wecken. Mitgefangen, mitgehangen. Harte Zeiten schweißen zusammen. Und wer nie ein reiherndes Kind über die Schüssel gehalten und die x-te Windelexplosion der Nacht behoben hat, nachdem man grade gedacht hat, man hätte’s geschafft, der darf sich nicht Papa nennen. 😉😘

    Außerdem: Gemeinsam mit Augenringen auf der Couch liegen kann wunderschön und überraschend romantisch sein. 😉😉😊

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