Zauber und Staub

Männer sind anders (oder: es ist ein Teamsport)

Samstagmorgen. Die Nacht mit Johanna war so mittel. Simon bietet mir großzügig an, ich könne nochmal ins Bett „eine Runde schlafen“ (nachdem ich seit um 5 das Baby bespaßt habe, um den schwer arbeitenden Gatten nicht zu wecken), er möchte Johanna mit zum Bäcker nehmen. Super Idee! Ich bin begeistert. Überreiche ihm das Baby und krieche zurück ins Bett. Er starrt mich verwirrt an. „Ja aber so kann ich sie ja nicht mitnehmen…“ Stimmt. Es ist Dezember, hat ungefähr 3 Grad, man sollte dem Kind noch was anziehen. „Du schaffst das schon!“ lächle ich ihn aufmunternd an und bleibe liegen. Man muss die Väter einfach mal machen lassen.

„Braucht sie eine Mütze?“ ruft es durch die geschlossene Schlafzimmertür. Ähm. Ja. Es ist Dezember, hat ungefähr 3 Grad…. „Ja!“ rufe ich nur zurück und bleibe liegen. „Welche Mütze?“ Mir doch egal, zieh ihr einfach irgendeine an! „Nimm die lilane!“ antworte ich. Wildes Hin-und-her-Gerenne. „Wo ist die?“ Mein Griff an der Matratze wird fester. Ich bleibe liegen! „Auf dem Wickeltisch!“ antworte ich betont gelassen.

Rascheln. Schritte. Gemurmel. Ich warte. „Welche Jacke soll ich ihr anziehen?“ Ich rolle mit den Augen. Es ist Dezember…. „Die dicke bitte!“ Und verkneife mir, noch hinterher zu rufen „Und die Fellschuhe, damit sie in der Bauchtrage keine kalten Füße bekommt…“. Ich warte. Immernoch wildes Auf-und-ab-Rennen in der Wohnung. „Ja Baby, wo ist denn dein Schnuller?!“ höre ich ihn direkt vor der Schlafzimmertür murmeln. Ich reagiere nicht. (Im Bett ist er natürlich. Wie immer morgens!) Er scheint ihn gefunden zu haben. Kurz überlege ich, was jetzt noch alles kommen könnte, da flucht Simon laut „Scheiße!“ Ich reagiere nicht und bleibe liegen. Man muss die Männer einfach mal machen lassen…. „Ach man, Johannaaaaaa.“ Seine Stimme klingt verzweifelt. „Schatz, sie hat gespuckt!“ Ja, das tut sie andauernd…“Du kriegst das schon hin!“ rufe ich, und kralle mich am Bett fest. Ich werde nicht aufstehen. Er muss das alleine hinbekommen. Es ist auch sein Baby. Er wollte es genau so, wie ich. Zum Kinder-Kriegen gehören immer zwei… Zum Kinder-Haben aber auch! 

Ich höre ihn leise fluchen. Dann fällt die Wohnungstür ins Schloss. „Geht doch!“ denke ich und stehe auf. Es brennt fast jedes Licht in der ganzen Wohnung, die Balkontür ist offen (es ist Dezember…) und Johanna’s Fellschuhe liegen auf dem Schränkchen neben der Tür. Naja. Das üben wir noch. Gleich nächsten Samstag geht es weiter.

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