Zauber und Staub

„Das muss jetzt aber mal besser werden!“

Johanna war von Anfang an ein sehr unruhiges Persönchen – ausgeprägter Moro-Reflex, Schlafen nur gepuckt für länger als eine halbe Stunde, Koliken, viel Gefuchtel, viel Gebrüll. Die Hebamme prophezeite schon in den ersten 10 Tagen: „Das wird so bleiben, mindestens bis sie 3 Monate alt ist!“ Sie empfahl uns eine Behandlung beim Osteopathen, für die wir einiges an Geld haben liegen lassen. Geändert hat sich… Nichts. 

Wir besitzen so ziemlich jedes Babygerät, das man kaufen oder leihen kann (Wiege, Wippe, Bauchtrage, Laufstall, Hängematte, Pucksäcke in allen Varianten, Föhn-Apps, Lichtspiele, und so weiter und so fort.) Wirklich geholfen hat… Nichts.

Pünktlich zu ihrem dreimonatigen Geburtstag fiel erst vorsichtig und dann immer öfter und lauter der Satz „Das muss jetzt aber echt mal besser werden!“ 

Während ich dazu übergegangen bin, das Kind so zu akzeptieren, wie es ist (sie hätte als Känguru geboren werden sollen, da bin ich sicher!), sieht Simon sich immer wieder dazu berufen, Johanna beizubringen, dass sie jetzt alt genug ist, um selbstständig irgendwo zu schlafen oder länger als 5 Minuten irgendwo zu sitzen oder zu liegen und sich mit sich selbst zu beschäftigen. „Die muss jetzt mal langsam mit sich selbst klar kommen!“ Denn jeder weiß: bis 3 Monate kann man ein Baby nicht „verziehen“, aber DANN, dann fängt es an, dass die kleinen Monster ihre fiesen Tricks bewusst einsetzen. 

Solche Erziehungsversuche endeten bis jetzt jedes Mal in herzzerreißendem Gebrüll. „Das macht die doch mit Absicht!“ schnaubt dann irgendwann ein entnervter Vater mit im-Schlaf-schluchzenden Kind auf dem Arm. Natürlich macht sie das mit Absicht. Mit der Absicht, zu Mama oder Papa auf den Arm zu kommen, die wild zappelnden Gliedmaßen gebändigt zu kriegen und endlich in den dringend nötigen Schlaf zu finden. 

Inzwischen ist Johanna 4 Monate alt. Während ich das schreibe, sitze ich im Sessel und halte sie schlafend im Arm. „Das muss jetzt echt mal besser werden!“ denke ich seufzend. Und dann erinnere ich mich selbst daran, dass dieses erste Jahr, das wir gemeinsam haben, nur ein kleiner Bruchteil im Leben meiner Tochter ist. Dass sie irgendwann von selbst nicht mehr auf meinen Arm wollen wird. Und ich denke, spätestens mit 12 wird sie auch den Pucksack zur Seite legen. 

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