Zauber und Staub

„Regretting Motherhood“

An einem Thema, das aktuell immer wieder diskutiert und durch Buchveröffentlichungen und Zeitschriftenartikel aus der Tabu-Zone gezerrt wird (zu recht), bleibe ich zur Zeit öfter hängen: „Regretting Motherhood“ – was wenn man es bereut, Mutter geworden zu sein? Wo Dinkelstangen-reichende Vollblut-Mütter vielleicht empört „wie könnt ihr nur“ rufen, macht sich bei mir immer mehr vor allem eines breit: Verständnis.

Es ist das eine, sich bewusst gegen Kinder zu entscheiden. (Seit ich selbst welche habe, verstehe ich die, die keine wollen!)

Oder ungewollt schwanger zu werden, in den sauren Apfel zu beißen und die Bürde anzunehmen.

Aber sich bewusst FÜR (ein) Kind(er) zu entscheiden, und im Nachhinein festzustellen „Mist. Hätte ich das bloß mal gelassen.“, das muss für eine Frau schwer zu akzeptieren sein. Denn keine Mutter denkt „meine Kinder sind irgendwie doof, es wäre besser, es gäbe sie nicht.“ Ich unterstelle jeder reflektierenden Mutter, dass sie ihre Kinder liebt und großartig findet. Dass sie froh ist, dass es sie gibt.

Hier geht es um etwas anderes. Es geht um die Erkenntnis: Kinder machen mein Leben nicht besser. Sie machen nicht glücklich. Im Gegenteil. Mein Leben ohne Kinder hat mir viel besser gefallen… Warum dachte ich, ich müsste es ändern?

Ich habe mich geirrt.

Man irrt sich öfters mal, als Frau. Falsche Schuhe. Falsche Frisur. Falscher Mann. Falscher Beruf. Was man dachte, würde einen endlich glücklich machen, stellt sich als Irrtum heraus. Wieso ist „Irren“ beim Thema Kinderwunsch also ein solches Tabu?

Vielleicht weil Kinder das Einzige im Leben sind, das man nicht rückgängig machen kann. Ein Irrtum, der sich nicht beheben lässt, also. Ein „Fehler“ mit dem man leben muss. Inklusive des dazugehörigen schlechten Gewissens, überhaupt so zu denken.

Auch wenn ich es grundsätzlich und die meiste Zeit nicht bereue, Mutter geworden zu sein, gab und gibt es Momente und Tage, da denke ich genau so. „Warum bloß war ich so bekloppt (noch) ein Kind zu wollen?“ Alles war so viel einfacher, alles war super, jetzt ist alles so schwer… Ich bin so eingeschränkt. So müde. Die Figur ist ruiniert und die Karriere sowieso. Den oben genannten falschen Mann habe ich den Rest meines Lebens mehr oder weniger an der Backe – weil ich unbedingt ein Kind (von ihm) haben musste. Kinder machen nicht alles besser. Sie machen alles schwieriger.

Aber sie sind nunmal da. Und ich liebe sie mehr als alles auf der Welt. Also hör ich auf zu jammern und freue mich auf später. Das Leben ist noch lang – und mit 18 ziehen sie aus. 😉

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Ein Kommentar zu „„Regretting Motherhood“

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