Zauber und Staub

Nachhilfe in Sachen Familienplanung

„Mama, weißt du, was wirklich, WIRKLICH richtig traurig ist?“ Emma schaut mich aus diesen großen, tiefen, dunkelblauen Augen an. Es ist ihr ernst. „Was denn, mein Schatz?“
„Ich bin die einzige in meinem ganzen Kindergarten, die keine Schwester und keinen Bruder hat.“
Autsch.
„Das kann doch nicht sein!“ (Im Zeitalter der Spätgebärenden und 1-Kind-Familien, erst diese Woche war wieder ein Artikel in der Zeitung, dass die deutschen Frauen mit Müh‘ und Not noch ein Kind zustande bekommen, bevor die Wechseljahre einsetzen.)
„Lass mal überlegen. Was ist mit der Lisa?“ „Die hat Charlotte.“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Und Paul? Paul hat doch keine…“ „Doch! Paul hat Benjamin! Und Mia, Mia hat sogar Lukas UND Kira!“ „Hanna?“ „Niklas!“ „Aber….“ „Ali hat Fadime! Und Stavroula hat Despina und Georgios!“ Ich überlege verzweifelt. Irgendeine dieser Mütter wird ja wohl das selbe Problem haben, wie ich! Das ist ja nicht zu fassen!
„Wirklich Mama. Ich bin die einzige.!“ Emma senkt die Augen dramatisch.
Gut. Es ist ein kleiner Kindergarten. Nur 25 Kinder. Und ein evangelischer Kindergarten noch dazu.
„Ach Mäuschen, vielleicht bekommst du ja iiirgendwann noch eine Schwester oder einen Bruder!“.
„Ja, Mama, ich weiß auch, wie!“
Ach tatsächlich? Gut, dass sie mit noch nicht mal 5 Jahren ungefähr weiß, wie die Kinder in die Mutter kommen, das habe ich JANOSCH zu verdanken und weiß ich spätestens, seit sie mit einem entsprechenden Bild vom Kindergarten heim kam. (Zu GERN hätte ich die Gesichter der Erzieherinnen gesehen! :-D)
Aber das hier klingt eher nach einem verschwörerischen Plan, als nach Aufklärung. „Ja? Wie denn?“ Plötzlich sitzt Emma aufrecht im Bett.
„Du musst einfach mit dem Simon heiraten. Und dann wohnen der Simon und ich und du zusammen in einem Haus. Und dann krieg ich eine Schwester. Und dann hab ich immer jemanden zum spielen, und du hast deine Ruhe und kannst an deinem Handy rumfummeln oder schlafen, und ich nerve dich dann gar nicht mehr, weil ich dann ja eine Schwester habe, mit der ich spielen kann! Ok, Mama?“
Klingt großartig.
Jetzt brauchen wir nur noch jemanden, der das dem Simon verklickert.
Gibt es dafür nicht auch ein JANOSCH-Buch?

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