Zauber und Staub

Ja, nein, vielleicht, Probewoche.

„Ich will wissen, was los ist.“ Diesmal werde ich nicht locker lassen.
„Nichts.“
„Das stimmt nicht. Du bist seit Tagen – um nicht zu sagen Wochen -, kühl, reserviert… hältst mich auf Abstand.“ Mein Blick fällt auf den Nachttisch-Wecker. 1:03 Uhr. Eine großartige Zeit für eine Grundsatzdiskussion.
Simon schweigt. Starrt Löcher in die Decke. Seufzt.
„Ich merke doch, dass was ist. Wir sind seit fast einem Jahr zusammen. Ich kenne dich inzwischen ein wenig.“ (und außerdem bekomme ich keine Küsse mehr im Vorbeigehen, der Sex ist eine mechanische Ausdauer-Übung und wir verbringen Abende schweigend nebeneinander vor dem Fernseher… nach einem knappen Jahr.)
Er holt tief Luft. „Ich mache mir Sorgen.“ Pause. Die Zimmerdecke wird weiter durchlöchert.
„Jaaa… das merke ich. Und weiter?“
„Ich hab das Gefühl, du willst mehr. Zusammenziehen und so. Aber ich kann das nicht. Mir ist das alles noch zu früh. Und außerdem will ich, wenn möglich, noch beruflich ins Ausland… und… ich will jetzt nichts aufbauen, was dann wieder kaputt geht.“
So. Da hab ich’s. Ich meine… im Prinzip habe ich das ja geahnt, da sämtliche Versuche, das Thema „gemeinsame Zukunft“ anzuschneiden, von Simon grundsätzlich mit einem Scherz oder blanker Ungläubigkeit abgeblockt wurden. „Weißt du, ich bin noch nicht mal dreißig (stimmt, das dauert noch ein halbes Jahr), jetzt hätte ich noch die Chance, so was einfach zu machen… wenn ich dann mal Familie habe, geht das nicht mehr.“
Das automatische Übersetzungsprogramm Mann/Frau gibt in meinem Hirn Folgendes aus: „Ihr seid nicht meine Familie. Wegen Euch würde ich nicht hier bleiben. So für den Moment ist das alles total nett. Aber wenn ich die Chance habe, gehe ich. Wenn du willst, können wir bis dahin einfach so weitermachen.“

Zum Frühstück am nächsten Morgen gibt es Blumen.
Bestimmt hat er es gar nicht so gemeint. Vielleicht würde er ja doch wegen uns da bleiben – weiß man’s? Sex und Urlaube ja – Verantwortung und Zukunftsplanung nein?
Wenn er jetzt nicht geht – dann geht er eben in 2 Jahren… der Effekt bleibt der selbe… je länger ich warte und hoffe, um so schmerzlicher wird es mich treffen. Oder? Ich habe plötzlich das Gefühl, Emma schützen zu müssen. Schließlich nennt sie ihn manchmal schon aus Versehen „Papa“.
Mein Kopf dreht sich.
Was soll ich machen?
Die Beziehung beenden, bevor ich noch mehr Lebenszeit mit einem Mann vergeude, der nicht die Absicht hat, sich fest an mich und meine Tochter zu binden?
Abwarten?
Weitersuchen?
Was, wenn nichts besseres nach kommt?
Was, wenn nichts nach kommt?

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