Zauber und Staub

Laufrad

6 Uhr: Wecker klingelt.
6 Uhr 10: Aufstehen. Kaffeemaschine anschalten.
6 Uhr 12: Duschen.
6 Uhr 20…. Mist. Emma ruft schon nach mir. Das verschiebt alle weiteren Punkte um eine unbestimmte Minutenzahl nach hinten.
Schminken. Fönen. Anziehen. Emma anziehen. Mit Emma diskutieren, ob sie wirklich angezogen werden muss.
6 Uhr 50: Küche. Emma am Tisch. Frühstück machen. Mit Emma diskutieren, warum es keine Süßigkeiten zum Frühstück gibt. Nebenher ihre Haare frisieren. Und Vesper richten – für Emma, und für mich. Ausgewogen, gesund und abwechslungsreich. Und das Frühstücken selbst nicht vergessen – ist schließlich wichtig, weiß man ja.
7 Uhr 15: Zähneputzen. Ich mir… und Emma, oder sie sich… und dann mir… was immer die Diskussionsergebnisse eben bringen.
7 Uhr 22: Schuhe anziehen. Nein – nicht die Ballerinas, es ist Winter. Doch. Es ist Winter.
7 Uhr 28: schnell noch die Sporttasche neben der Handtasche und Emma’s Kindergartentasche unter den Arm geklemmt.
Wohnungstür zu. Geschafft. Hoffentlich habe ich nichts vergessen – Fenster auf, Herdplatte an… Müll raus… oder den Schlüssel.
7 Uhr 40: Emma ist im Kindergarten. Ich auf dem Weg ins Büro.
Geschafft – für heute.
Ach nein… der Tag fängt ja jetzt erst an.
6 Stunden Arbeit – ohne Mittagspause, die ist zeitlich nicht drin, schließlich will ich die 2 Stunden zwischen Feierabend und Kindergartenschluss ja sinnvoll nutzen. Zum Lebensmittel einkaufen. Oder für Sport zum Beispiel. Also…
14 Uhr 10: Fitnessstudio. Laufband. 5 Kilometer… das Ziel sind 30 Minuten, aber da muss ich noch ein Weilchen trainieren. Noch kurz Krafttraining. Schließlich bin ich über 30 und quasi noch „auf dem Markt“. Harte Arbeit.
15 Uhr 35: Zuhause. Blick auf die Uhr – ich habe noch 20 Minuten für mich, bis ich Emma wieder vom Kindergarten holen muss.
Also schön die Füße hoch… eben nicht! Zack zack, eine Waschmaschine befüllt, die Küche aufgeräumt und ein mal durch gefegt.
16 Uhr: Warten vor dem Kindergarten. Im Kopf einen groben Plan erstellen, was man mit dem Bespaßungs-gewohnten Kind jetzt noch 3,5 Stunden lang anfängt, bevor es ins Bett darf.
„Mama, können wir Prinzessinnenhochzeit mit Pferdekutsche und Drachen spielen? Und du wärst der…“ Drachen. Ist klar. Ich kann die Augen kaum aufhalten und schlage vor, wir spielen Arzt – ich wäre der Patient. Koma-Patient, versteht sich. Kann nur ruhig auf der Couch liegen und gleichmäßig atmen.
„Das ist vooooooll langweilig.“ „Emma, ich bin müde.“
„Du bist immer müde!“
Stimmt. Warum eigentlich?
Schließlich arbeite ich nur Teilzeit.
Habe nur ein Kind.
Und dank Emma’s treu sorgendem Vater sogar drei freie Abende die Woche, die ich versuche, gleichmäßig auf Freund, Freunde, Familienmitglieder und Haushalt zu verteilen. „Dich sieht man ja kaum noch in letzter Zeit, was machst du denn die ganze Zeit?“ Ja, was mache ich eigentlich die ganze Zeit?
„Lass uns doch Freitag mal wieder richtig einen drauf machen!“ Freitag? Da wollte ich eigentlich einfach nur schlafen. Früh. Und morgens lang. Bevorzugt im Bett meines Freundes. Denn generell hilft es Beziehungen, wenn man ab und zu Zeit zusammen verbringt.

Jetzt ist schon wieder Samstag… die letzte Nacht war sehr kurz, der Tag voll mit Erledigungen und einem Besuch – ich bin müde – doch Emma liegt frisch gebadet, gefüttert und friedlich schlummernd in ihrem Bett.
Jetzt nur noch schnell…. mal eben… bevor morgen… und dann nachmittags…. nachdem dann Abends… und dann ist wieder Montag…
6 Uhr…
Anhalten! Einmal kurz die Welt anhalten bitte.
Ich will aussteigen.

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