Zauber und Staub

Drum prüfe, wer sich….

Früher war das einfach. Man warf ein Zettelchen auf den Sitzplatz des/der Auserwählten, worauf Folgendes zu lesen war: „Willst du mit mir gehen? Kreuze an: ja / nein / vielleicht“.
Das waren noch Zeiten.
Anders heute: Nachdem ich bis vor kurzem auf die Frage „seid ihr jetzt zusammen“ ausnahmslos „nicht, dass ich wüsste!“ geantwortet habe, habe ich nun erfahren, dass Simon mich seit dem ersten Kuss als „seine Freundin“ betrachtet.
Huch. Das hätte schief gehen können – von wegen Exklusivität und so.
So komme ich praktisch über Nacht zu einer Beziehung, die immerhin schon 6 Wochen dauert. Bald haben wir zwei-monatiges. Wow. Ich fühle mich ein bisschen sehr wie 13… und eigentlich würde ich am Liebsten vorspulen, um zu sehen wann  wie das Ganze endet weitergeht.
„Ja ist es das jetzt?!“ fragt mich meine Schwester sehr ungläubig. Sie wartet insgeheim immer noch auf meine spontane Wiedervereinigung mit Emmas Vater – genau wie meine Eltern. Schließlich hab ich DEN ja mal geheiratet.
Ob es das jetzt ist? Woher soll ich das wissen? Alles, von dem ich bisher überzeugt war, dass es „das“ wirklich „ist“ … ging schief. Also spare ich mir den Pathos und schau einfach mal, was passiert.
Eventuell ziehe ich die gute alte „Pro / Contra“-Liste wieder zu Rate.
Pro: er ist männlich, dunkelhaarig, gut gebaut, hat einen „ordentlichen“ Beruf, ist angemessen intelligent, bringt mich zum Lachen, ist romantisch, leidenschaftlich, versteht sich gut mit Emma, kann einen Vormittag bei IKEA überstehen und danach noch einen PAX-Schrank aufbauen, kocht, hat nette Freunde, (wie ich) viele Geschwister, wohnt nicht mehr bei Mutti, erträgt es mit einem Lächeln, wenn Emma Sonntagmorgens um 5:36 Uhr zu uns ins Bett kriecht und… und… und.
Contra: er ist nicht Emmas Vater. Er ist maximal 1,80 m groß, mit seinem Beruf verheiratet (wie sein Vorgänger), eventuell etwas zu sportlich für mich… ähm…
Die Liste spricht für ihn.
Emma spricht für ihn.
„Kommt der Simon heute, Mama?“ „Nein, heute nicht“. „Aber wiesooooo nicht? 😦 Kommt er dann gleich morgen früh, wenn ich aufwache?“ „Eher nicht.“ Emma, verzweifelt:“Aber Mama. Er soll kommen. Ich lieb‘ den einfach!“
Die Statistik spricht für ihn.
Danach halten Zweit-Ehen (bzw. -Beziehungen nach der gescheiterten Ehe) im Schnitt länger als die erste Ehe selbst. Wahrscheinlich weil die Erwartungen gesunken und die Erfahrungswerte massiv gestiegen sind.
„Ja bist du verliebt?“ Ja – aber das bin ich andauernd, das hat also unterm Strich nichts zu bedeuten.
„Und wie ist dein Gefühl?“ – Welches jetzt? Das, wenn er mich triumphierend anlächelt, nachdem er eine brüllende Emma abends zum Einschlafen gebracht hat? Oder das, wenn ich ihn ansehe, kurz bevor er morgens neben mir aufwacht? Oder das, wenn ich nach Luft japse, nachdem wir zusammen Tränen gelacht haben?

Wie ich es auch drehe und wende….die Versuchsreihe „Patchwork“ hat offiziell begonnen.

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