Zauber und Staub

Generation Fremdverpflegung

Ich habe nicht sehr viele prägende Erinnerungen an meine Kindheit und Schulzeit, doch der Geruch bestimmter Mahlzeiten, zubereitet von meiner Mutter und verzehrfertig auf dem Tisch, wenn ich von der Schule heim kam, vermittelt mir noch heute ein Gefühl von „Zuhause“.
Wir waren viele Kinder, meine Mutter war Vollzeit-Hausfrau und es gab jeden Mittag etwas warmes zu Essen.
„Das schmeckt fast so gut wie bei Mami!“ ist ein Satz, in dem viel mehr als nur ein doofes Klischee liegt. Das schmeckt nach „zuhause“ nach „Geborgenheit“ nach „Sicherheit“. Hmmmm.
Emma geht in einen Ganztages-Kindergarten und bekommt dort natürlich auch ihr warmes Mittagessen. Von einem zertifizierten Catering-Service, biologisch und ausgewogen, und so abwechslungsreich, wie ich es niemals schaffen würde. Denn sollte sich auf dem Speiseplan innerhalb von 4 Wochen irgendwo Wiederholungen befinden, stünde sofort der Elternbeirat auf der Matte.
Diese Tatsache erspart mir eine Menge Arbeit – wofür ich natürlich dementsprechend bezahle. Sie hat aber auch zur Folge, dass ich kaum noch koche. Ich wage sogar zu bezweifeln, dass ich behaupten dürfte, ich könne wirklich kochen. Alles was mit Pasta zu tun hat, zählt irgendwie nicht richtig… vor allem, da Emma Ihre Nudeln/Tortellini/Gnocchi am Liebsten „Ohne alles mit Ketchup“ ist.
Und wann habe ich das letzte mal einen Braten gemacht? Oder Gulasch? Oder einen Auflauf? Oder überhaupt ein Gericht, dass aus mehr als 3 Bestandteilen (Nudeln/Soße/Käse) besteht?
Ich kann mittlerweile oft kein Brot mehr sehen und es kommt durchaus vor, dass ich mich einfach nach einem Stück gekochten Gemüses oder angebratenen Fleischs sehne.
Aber für mich allein „richtig“ kochen?
Zeit-, Geld-, Aufwands-Verschwendung. Dann halt doch ein Brot.
Mal abgesehen davon, dass das unterm Strich sicher furchtbar ungesund und auch irgendwie kein bisschen befriedigend ist, wird meine Tochter wohl niemals sagen können „das schmeckt so gut wie bei Mami.“
Traurig.
Und da ist es wieder, das permanent unterschwellig schlechte Gewissen, dass man sein ach so kleines Kind bereits so früh und für so lange Zeit in die Obhut anderer Menschen – und Köche – gibt.
Ich denke, das werden wir niemals los. Wir Mütter.
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