Zauber und Staub

Genderdingens

spätestens seitdem es das „Überraschungsei nur für Mädchen gibt“, ist es nicht mehr möglich, sich aus der Diskussion zum Thema „Geschlechterrollen-Fixierung“ heraus zu halten – was ich bisher immer versucht hatte.
Und mir geht es hier nicht um die großen Themen wie „Frauen in Politik und Wirtschaft“ oder „Diskriminierung“ einer der beiden Geschlechtergruppen an sich.

Moderne Eltern brechen sich heutzutage fast einen ab, um ihr Kind ja nicht auf irgendeine Geschlechterrolle festzulegen. Da hat der kleine Torben natürlich genau so viele Puppen, wie Matchboxautos. Und die kleine Henrieke darf nach Herzenslust im Matsch baden und auf Bäume klettern und zählt mindestens so viele Dinosaurier wie Pferde zu ihrem Gummitier-Zoo. Nur interessieren weder Torben die Puppen, noch Henrieke die Dinos.
Und wenn Emma einmal wieder in lila und rosa-mit-Blümchen gekleidet ihre Puppenkinder spazieren schiebt, die Glitzerhandtasche lässig über der Schulter, dann hoffe ich inständig, dass gewisse Menschen das nicht mit bekommen. „Was tust du deiner Tocher aaaaan!“ :-O Was diese nicht wissen: dass das Kind genau so viele neutral-farbene Kleidungsstücke hat. Die ich ihm immer wieder versuche schmackhaft zu machen. Vergeblich.

Der Überzeugung nach, sind wir Eltern und „die Gesellschaft“ diejenigen, die Kinder dazu zwingen, sich mit einer Geschlechterrolle zu identifizieren und diese ausgeprägter als die andere zu leben.
„Mädchen mögen kein Rosa von sich aus“ „Mädchen spielen auch nicht von sich aus mit Puppen, statt mit Autos!“
Doch. Tun sie. Sagt meine Erfahrung. Und die…. vieler anderer Eltern.

Okay – Emma kann schon auch mit Autos spielen. So 5 Minuten. Aber sie spielt dann eben „Einkaufen fahren“ oder „in den Urlaub fahren“. Genau so, wie sie knietief im Matsch eben kocht und Kuchen backt.
Andererseits ist Ihr Cousin Emil der Meinung, dass Emmas vollgestopftes Kinderzimmer absolut nichts taugt.
„Das ist kein Kinderzimmer!“ sagt er entsetzt. „Es gibt keine Autos!“
Und jetzt frage ich mich – muss ich das wirklich mit aller Gewalt wieder aus meinem Kind rauskriegen, nur um sie nicht in eine „Geschlechterrolle zu zwingen“? Muss ich sie mehr „wie ein Junge“ behandeln und kleiden, damit sie nicht zu sehr „wie ein Mädchen“ aufwächst? Beißt sich die Katze da nicht irgendwann selbst in den Schwanz, und der Zwang ist der gleiche – nur eben in die andere Richtung?

Viel wichtiger als „wie ein Junge“ oder „wie ein Mädchen“ sind meiner Meinung nach die Werte, die man einem Kind vermittelt. Ehrlichkeit, Geduld, Höflichkeit, gutes Benehmen, Freude an kleinen Dingen, sich versöhnen können – mit Jungs, wie mit Mädchen. Und letztendlich orientieren sich die Kinder eben immer noch an ihren Eltern. Und ich – liebe nun mal Schmuck, und Handtaschen, und Nagellack. Ich spiele viel lieber Vater-Mutter-Kind oder Memory, anstatt Autorennen oder „Dinosaurier erschießen“. Ich trage gerne Röcke, und lange Haare. Und wenn Emma sich entscheidet, das irgendwann ganz anders zu machen, darf sie das gerne tun!
Nur werde ich sie sicher nicht dazu zwingen.

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