Zauber und Staub

Freie Marktwirtschaft

ich hatte wieder ein Date. Mit einem „neuen“.
Eigentlich wollte ich nicht… denn… eigentlich hat mir die Erfahrung der letzten beiden Dates erst mal gereicht. Dating ist anstrengend. Aufregend und… meistens wollen einen nur die, die man nicht will, und umgekehrt. Oder? Und eigentlich… bin ich eh verliebt.
Im Prinzip bräuchte ich das alles gar nicht, ich wüsste sofort, wen ich nehmen würde, wenn ich könnte, doch dieser „wen“ will eben nicht. Kann nicht… ist nicht frei, zu sehr gebunden in (wichtiger!) Arbeit und v.a. an eine (mit ihm gemeinsam arbeitende) Freundin.
Damn it.
Ich hab tatsächlich den Professor aufgerissen. Und er ist tatsächlich so sexy und klug und beeindruckend, wie ich dachte. Ein bisschen verkorkst, ganz bestimmt, unglaublich egozentrisch und sehr darauf bedacht, dass man ihm nicht zu nahe tritt. Es sei denn… er hat etwas getrunken. Dann erreichen mich die schönsten Texte und Lieder per Email.
Wir sind seelenverwandt – natürlich, das war sofort nach den ersten paar Chat-Nachrichten klar. Genau so klar, wie die Tatsache , dass das Ganze selbstverständlich niemals eine Zukunft haben kann.
„Wohin soll das führen?“ Völlig egal. Wir schreiben uns… Emails. Wie Emmi und Leo in „Gut gegen Nordwind“ – nur mit dem Unterschied, dass wir uns jederzeit sehen könnten, wenn wir wollten. Was wir dann auch tun. „Um 12:30 am Parkhaus, aber ich habe nur 5 Minuten“.
So unglaublich aufregend. Zitternd stehen wir uns gegenüber. „Das ist also die Person, die mir des nachts so schmachtende Emails schreibt“.
Das ist er also.
Der Professor.
Was dem ersten Treffen folgt kann man im Prinzip als „Affäre“ zusammenfassen, 2 Wochen heimliche Treffen, Knutschereien, Sehnsucht, Leidenschaft… und nicht nur das. Diskussionen. Darüber was geht, und was nicht, was gehen würde, könnte, aber nicht soll.
„Ich bin nicht frei. Mal ganz abgesehen von meiner Freundin, bin ich momentan nicht zu haben.“
Abgesehen von der Freundin?
Ach ja. Die Arbeit. Wichtige Deadline, knapp 4 Wochen, riesen Ding, muss den Kopf frei halten.
Und meldet sich dennoch mehrmals täglich.
Zu wenig zum leben, zu viel zum sterben.
Ich muss mich ablenken. Muss mich mit Männern Menschen umgeben, die mich toll finden, verehren, für die ich nicht nur eine heimliche verbotene Sünde bin, die niemals an die Öffentlichkeit gelangen darf. Ich muss etwas für mein Ego tun.
Und so habe ich also wieder ein Date. Diesmal mit deutlich weniger Erwartung, als beim ersten mal, man lernt ja schließlich dazu.
Simon ist knapp 2 Jahre jünger als ich, Ingenieur, klettert und tanzt. Und ist single. Soweit, so gut.
Er ist pünktlich, nett, bezahlt mein Essen und meine Getränke, leiht mir seine Jacke, als wir im strömenden Regen die Kneipe verlassen. Er weiß, dass ich eine Tochter habe, und es stört ihn nicht im geringsten. Er fährt mich nach Hause, bringt mich mit dem Regenschirm direkt bis vor die Haustür. Wie sich das gehört. Ein schöner Abend. Ein schönes Date. Eventuell sehen wir uns wieder.

Natürlich habe ich dem Professor mitgeteilt, dass ich ein Date haben werde. Und natürlich erwartet mich eine Email, als ich nach Hause komme. Er will wissen, wie es lief, würde sich für mich freuen, wenn es gut gelaufen wäre, schließlich wünsche er mir ja, dass ich jemanden finde, der zu mir passt und frei auf dem Markt wäre.
Idiot. Er könnte die tollste Frau der Welt haben, und will sie nicht.
Selbst schuld.

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