Zauber und Staub

Fernsehen

gehört heut zu Tage zum Leben. Jeder hat einen Fernseher, möglichst groß, möglichst flach, und nahezu jeder verbringt jeden Tag einige Zeit seines Lebens davor.
Seit Emma und ich allein wohnen, haben wir keinen Fernseher mehr. Nicht aus pädagogischen Gründen, sondern einfach, weil wir eben keinen haben.
Und ich muss ehrlich sagen, ich habe ihn noch an keinem einzigen Abend vermisst. Gut… Ich bin bestimmt weniger informiert, was das aktuelle Geschehen in der Welt angeht, da ich keine Nachrichten mehr schaue (und zum Zeitung lesen habe ich wirklich nicht die Geduld). Ich kann nicht mehr mitreden, was das Programm angeht, und meine Sonntagabende finden tatsächlich ohne Tatort statt. Unvorstellbar… Doch es fehlt mir kein bisschen.
Die Vorteile überwiegen eindeutig: Ich lese. Ich schreibe. Ich muss mich nicht mehr über Werbeblocks aufregen. Oder über schlechte Drehbücher. Es ist, als ob ich mein Hirn einfach mit weniger Schrott füttere… Und das tut ihm (und mir) wirklich gut. Von nicht-geführten Diskussionen über Fernsehkonsum mit Emma mal ganz abgesehen.
„Naja, wenn du einen Fernseher hättest, würdest du ihn sicher auch benutzen!“ Sicher.
Sicher? Ich glaube, ich habe mir das Fernsehen abgewöhnt.
Der Beweis steht hier vor mir: ein großer, glänzender Flachbildschirm in der Wohnung meiner Eltern, wo Emma und ich während deren Abwesenheit ein bisschen Luxus-Urlaub machen.
Große Terrasse mit Gartenschlauch zum Planschen, riesen Kühlschrank, edle Badewanne, teurer Kaffee-Vollautomat, alles Dinge, bei denen sich ein kurzes „das hätte ich auch gerne!“ in meinem Kopf nicht verhindern lässt.
Aber der Fernseher?
Er ist aus. Und er bleibt aus.
Statt dessen setze ich mich auf die Terrasse. Die Füße auf den von der Sonne aufgewärmten Fliesen, in der Hand ein kühles Glas mit Weißwein, den Blick ins Halbdunkel schweifen lassend, meinen Gedanken nachhängend und die warme Nacht einatmend. Ich stelle mir vor, es wäre meine Wohnung, mein Kaffeevollautomat, meine Badewanne, und George wäre nur mal eben in den Keller gegangen, um eine neue Flasche Wein zu holen. Ich zünde die Kerze auf dem Tisch an und lausche den Grillen.
Zum Fernsehen bleibt da wirklich keine Zeit.

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