Zauber und Staub

Das Bild

zeigt Katy Perry, in knallengem, Tütü-artigen Bühnenoutfit, nach vorn gebeugt und den Blick auf den prall gefüllten und ordnungsgemäß gepushten Ausschnitt ziehend. „Stars im Teufelskreis des Jojo-Effekts“ titelt der doppelseitige Artikel.
Wow. Die ist aber fett geworden. Denke ich.
Dann lese ich die Bildunterschrift: Katy Perry, 1,73 m groß, hat sich ein Wohlfühlgewicht von 60kg angefuttert!
Oh. Mein. Gott.
60 Kilo.
Dass die sich überhaupt noch auf die Straße, geschweige denn auf die Bühne traut!

What? Bitte wer schreibt solche Artikel? Und was will derjenige damit erreichen? Ob es wahrscheinlich ist, dass einer der „Jounalisten“ Frau Perry wirklich auf eine Waage gestellt hat, sei mal dahin gestellt… Und… Okay, ich gebe zu, es ist nicht gerade Der Spiegel oder Die Zeit, was ich mir hier an einem gemütlichen Nachmittag auf Svenja’s Couch anschaue. Aber dennoch kann man ja davon ausgehen, dass diese Zeitungen von erwachsenen Menschen gestaltet werden. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal 60 Kilo gewogen habe. Vielleicht mit 12.
Ich bin einen Zentimeter größer, als die arme, fette Katy Perry, aber der rechtfertigt wohl kaum die Kilo-Differenz…. Ich frage mich… Wer setzt diese Standards? Und wer (bitte, Männer, antwortet mir, wenn ihr diejenigen seid) WER findet 45-Kilo-Frauen sexy? Haben diejenigen eine Ahnung, was sie damit auslösen?
Das Ergebnis sind haufenweise schlecht gelaunte und frustrierte Frauen, die sich lieber verkriechen, anstatt im luftigen Sommerkleid auf die Straße oder gar im Bikini ins Freibad zu gehen. Die abends stundenlang joggen, anstatt mit ihrem Geliebten ein romantisches Eis im Café zu zelebrieren. Oder gar ein Glas Rotwein.
Und nicht zu letzt ist das Ergebnis solcher Hetzkampagnen Schönheitstrends ganz einfach: weniger Sex.
Denn Frauen, die sich nicht wohl fühlen, senden keine Signale. Und selbst wenn man in einer Beziehung so weit gediehen ist, dass Signale nicht mehr so wichtig sind, würde ich behaupten, tut es dem Liebesleben nicht gut, wenn Frau ständig unzufrieden mit dem Umfang ihrer Oberschenkel ist und vor dem Schäferstündchen erst mal die Fenster lichtundurchlässig verdunkelt und alle Lampen ausgeschaltet werden.
Natürlich ist das alles Geschmacksache. Irgendwie. Natürlich ist das eine Gewicht gesünder, als das andere. Und natürlich ist das Thema ausgelutscht.
Aber ich plädiere dafür, dass es verboten wird, Frauen öffentlich als „fett“ zu bezeichnen. Gedruckt. Mit Bild. Ich verbitte mir Trendkampagnen in schwedischen Modekatalogen, auf welchen ein Bild mit magersüchtigen 16-Jährigen den Titel „Zurück zur Fraulichkeit – die Sanduhr-Silhouette“ trägt.
Denn wie ich das Bild auch drehe und wende, ich finde da höchstens Uhrzeiger-Silhouetten.

Und wer dachte, dass Mädchen bis mindestens 12 sowieso von diesem Wahn unberührt bleiben, der irrt sich. Ria, 4, die elfenzarte Tochter meiner Freundin Svenja, weigerte sich vor einigen Tagen standhaft, abends ihr Käsebrot zu essen. Mit der Begründung: „ich will, dass mein Bauch so dünn bleibt und nicht so fett und schwabbelig wird!“

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