Zauber und Staub

Ein perfekter Tag

im Spätsommer.
Er beginnt kühl und feucht, wird schnell wärmer.
Der Wind peitscht die Schönwetter-Wolken über den blauen Himmel und zerzaust jede noch so tolle Frisur.
Ich stehe bereits vor 9 Uhr auf dem Gehweg vor dem Haus, um ordnungsgemäß meine Kehrwoche zu verrichten. Um kurz nach 11 bin ich mit aller nötigen Hausarbeit fertig und kann mich dem wichtigen Thema des Tages widmen:
Dem Date.
Ich hatte seit ewigen Zeiten kein Date, und schon gar nicht mit einem Unbekannten. Ich bin mir ehrlich nicht ganz sicher, was ich mir dabei gedacht habe… wo soll das schon hinführen…
Andererseits: ich lerne gerne Menschen kennen, was habe ich also zu verlieren. (Bei meinem letzten Date mit einer „Internetbekanntschaft“ vor knapp 7 Jahren habe ich Emma’s Vater kennengelernt… Das nur so als Einwurf.)
Zu behaupten, ich wäre ein bisschen nervös, wäre maßlos untertrieben. Ich ziehe mich geschätzte 17 Mal um. Schminke mich bereits 2 Stunden vorher – um ja nicht „frisch geschminkt“ auszusehen. Und bin natürlich zu früh am ausgemachten Treffpunkt.
Da meine Knie ernsthaft nachzugeben drohen, was auch daran liegen könnte, dass ich vor lauter Nervosität das Essen vergessen habe, drapiere ich mich elegant auf einer Bank.
Und warte.
Der perfekte Spätsommer-Wind ruiniert zerwühlt meine Frisur und spielt mit meinem Rock. Erstes Laub tanzt auf der Straße mit Zelophanverpackungen – ein wunderschöner Nachmittag.
Und eventuell sterbe ich noch an einem Herzinfarkt, bevor ich überhaupt rausfinden konnte, ob der Typ ein Psychopath ist. Oder dumm. Oder langweilig. Oder hässlich.
Wie sich rausstellt, ist er zumindest kein Orientierungs-Ass, er findet nämlich das Parkhaus nicht, das ich angegeben habe. (Okay. Touristen-Bonus. Schließlich reist er extra eine Auto-Stunde lang an.)
Ich bin froh, dass das Warten endlich ein Ende hat (ich hasse Warten!) und gehe ihm großmütig entgegen.
Dadam.
Dadam.
Dadamdadamdadam…. Da ist er. Das muss er sein. Er sieht aus… Wie auf dem Foto. Puh. Immerhin. Er sieht mich nicht sofort… schnell nochmals den Rock zurecht gezupft.
„Hi!“ Wir strahlen uns an. Küsschen links, Küsschen rechts, und um uns herum poltern sämtliche Steine von unseren Herzen. Geschafft. Wir haben uns gefunden, keiner ist entsetzt davongelaufen und der erste Eindruck ist mehr als sympathisch. Ich würde sogar sagen, die Funken sprühen, auf der Stelle. Die Stimmung ist aufgeladen von Nervosität, Freude, Skepsis und Erwartung.
Was folgt sind 3 (in Worten DREI) Stunden angeregter Unterhaltung… und es wären sicher 6 geworden.
2 Kaffee, 2 Radler, 2 Desperados, und unzählige „geht mir genau so“ später müssen wir uns verabschieden, da Emma dringend darauf wartet, von mir abgeholt zu werden. Schade.
Küsschen rechts, Küsschen links… Küsschen rechts…. der Arm verweilt den Bruchteil einer Sekunde zu lang auf dem Rücken des anderen, als dass es noch „Zufall“ sein kann.

„Wir… sehen uns, oder?“ „Ich denke auch.“ 🙂

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s