Zauber und Staub

Krank sein

ist Luxus. Zumindest für eine allein stehende (im Krankheitsfall dann allein liegende) berufstätige Mutter eines Kleinkindes. Eigentlich sollte sich wirklich kein Arbeitgeber dieser Welt sorgen, dass die oben genannte aus irgendwelchen undurchsichtigen Gründen einfach krank feiern würde, denn glaubt mir: arbeiten gehen ist einfacher. Und um vieles entspannter.
Ist es dann tatsächlich der Fall, dass das Fieberthermometer mindestens eine 39 vor dem Komma anzeigt und man wirklich nur mit Mühe und Not vom Bett bis zur Toilette kommt, dann geht der Stress nämlich erst richtig los.
Wer holt das Kind vom Kindergarten. Wer macht dem Kind essen? Kann ich es selbst ins Bett bringen? Hat die Oma Zeit? Will ich die Oma anrufen? Will ich den Vater des Kindes anrufen? Geht es nicht vielleicht alles irgendwie doch so?
Ich habe Glück, ich habe Svenja. Meine liebenswerte Nachbarin und im besten Sinne Lebensgefährtin, die immer einspringen würde… Wenn sie denn da wäre. Doch wie so oft in solchen Fällen klingelt das Handy ins Leere, und ich schleppe mich eben doch zum Kindergarten. Was wohl die anderen Mütter von mir denken, wenn ich da so aufkreuze. Schnell noch Lipgloss aufgelegt und die Sonnenbrille vor die fiebrigen Augen geschoben. Stil ist schließlich kein Wahlfach. Und wer weiß, ob nicht gerade heute George Clooney mit vor dem Kindergarten steht.
Zurück zuhause im Bett gilt es die 2 bis 4 Stunden, bis Emma erfreulicher Weise von ihrem Vater abgeholt werden kann, möglichst harmonisch zu überstehen. „Schatz, willst du einen Film gucken? Oder zwei? Oder ein Eis essen? Natürlich, von mir aus auch bei mir im Bett.“
Während Emma Schokoladeneis und Vanillepudding gleichmäßig in meinem Bett verteilt und ich warte, dass die 3. Aspirin endlich anschlägt, denke ich schon mal darüber nach, wie ich meiner Chefin erkläre, dass ich am nächsten Tag nicht zur Arbeit erscheinen kann. Schließlich entscheide ich mich für eine Email, natürlich nicht ohne den Hinweis, dass ich selbstverständlich jeder Zeit auf dem Handy zu erreichen sei und auch ganz sicher am Montag wieder fit wäre. Und obwohl das Fieberthermometer auch bei der 3. Messung etwas knapp unter 40 anzeigt, und ich somit eigentlich eine Berechtigung für mein faules Umherliegen haben sollte, quält mich das schlechte Gewissen.
Krank werden. An einem Donnerstag. Wo gibt es denn bitte so etwas.
Und die Wohnung sieht aus wie Sau. Und eigentlich sollte ich bügeln. Und dringend einkaufen. Und überhaupt. Ich habe keine Zeit für so einen Mist.
Aus Erschöpfung und Wut über meine missliche Lage (in die ich mich bestimmt irgendwie selbst hinein manövriert habe. Hätte ich doch gestern die Jacke anbehalten. Oder das Fenster zugelassen) kullern ein paar Tränen über meine Wange. „Mama. Was ist los?“ Emma blickt von ihrem pädagogisch wertvollen Youtube-Clip auf und sieht mich besorgt an. „Ach ich bin nur ein bisschen krank!“ „Komm her!“ sie legt ihr Ärmchen um meinen fiebrigen Hals und drückt mich an sich. „Ich kümmer‘ mich um Dich.“

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