Zauber und Staub

Zu gut für diese Welt

„Du hast was Besseres verdient!“ Svenja kann sich kaum gerade auf den Beinen halten und ist im Begriff, sich eine Zigarette verkehrt herum anzuzünden. „Du bist die schönste Frau da drin – okay, neben mir“ sie grinst „du bist klug, witzig, sexy, aufregend… ich würde dich immer für einen teureren Preis verhökern, als mich selbst!“ „Du willst mich verhökern?“ Lachen. „Was ich meine ist…. du hast definitiv einen Mann verdient, der mindestens so gut aussieht, wie der da drin.“ Sie meint Benni, einen „entfernteren Bekannten“ von mir (… ja, wir hatten…) der bis grad sein bestes gab, mich um den Finger zu wickeln, bevor Svenja mich unter höchstem Dringlichkeitsfaktor an die frische Luft gezerrt hatte, um eine zu rauchen. Und um mich zu warnen. Davor, mich selbst zu billig her zu geben – und das wo sie kaum noch nicht einmal mehr gerade aus gehen kann.
Das ist so süß. Denke ich. Und seufze tief.
„Weißt duu…“ die Worte kommen mühevoll über ihre Lippen, was nicht nur an der Zigarette liegt. „der Typ ist ein Arsch. Der kommt daher, mit seinen Lacoste-Schuhen, und behandelt dich, als seist du sein Schoßkätzchen. Du hast was besseres verdient!“
Oh, wenn ich momentan aber gar nichts „besseres“ will, als jemandes Schoßkätzchen sein? Nur für den Moment… nur für die Nacht… ab morgen kann ich mich wieder geziemt daran, erinnern was ich alles verdient HÄTTE. Und leider werde ich mich morgen auch noch genau so sehr daran erinnern, was ich alles gerne HÄTTE, aber nicht bekomme. Verdient oder nicht… das Leben ist ein Jammertal.
„KannichnocheineSigarette?“ Ich gebe Svenja meine letzte Zigarette und gehe zurück in die Bar. Im Prinzip hat sie so recht. Und im Prinzip will ich ja auch was ganz anderes. Wen ganz anderes.
Aber Prinzipienreiterei bringt einen im Leben nun mal nicht weiter.
„Hey, da bist du ja endlich wieder“ breites Grinsen, schöne Zähne… dunkle Augen… ich betrachte meine Optionen, wie der Abend ausgehen könnte. Entweder… ich entscheide mich für einen weiteren belanglosen One-Night-Stand (ich hatte FÜNF! Monate keinen…), der mich zumindest ein paar Stunden (wenn’s gut läuft) darüber hinweg tröstet, dass ich nicht das bekomme, was ich will (und verdient hätte), oder, ich schnappe mir meine sturzbetrunkene Busenfreundin und schleife sie nach Hause. Höchstwahrscheinlich gegen ihren Willen.
Ich atme tief durch, setze mich aufrecht und greife nach meiner Handtasche. „Willst du etwa schon gehen?!“ Er wirk ehrlich erstaunt. Ich nicke. „Ich werde Svenja nach Hause bringen.“
Als ich die Bar verlasse, zanken sich Engelchen und Teufelchen ganz gewaltig. „DU TROTTEL! Das hätte so eine heiße Nacht werden können!“ „Ich bin stolz auf Dich. Du bist deinem Traum heute wieder ein Stück näher gekommen. Du hast was Besseres verdient!“ „Ha! Was schlechteres ist immer noch besser, als gar nichts, oder?“
Ein tiefer Seufzer.“Komm, wir gehen nach Hause!“ Ich nehme meine Freundin an der Hand und zerre sie in Richtung Heimweg. Sie grinst mich an. „Ich sag ja, du bis su gut für diese Welt. Aber erst recht für diesen Arsch!“

 

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