Zauber und Staub

Konsequenz

ist so ziemlich eine der fiesesten Übungen in Sachen Erziehung. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich auf Emma’s zornfunkelndes „warum nicht?!“ nur zu gerne und mit herrlicher Genugtuung ein „weil ich es sage!“ herausschleudere. „Und Punkt.“ Darauf habe ich doch gewartet, seit ich selbst ein Kind war. Ein Hoch auf die Allmacht der Mutter! Ja.. Wenn es so einfach wäre…

„Mama kann ich meinen Ballerina-Rock in den Kindi anziehen?“ „Nein.“ Wäre das Kind ein bisschen gehorsam und nicht gar so stark in ihrem Charakter, wäre die Diskussion hiermit beendet, der Frieden gewahrt und der Morgen gerettet. Doch ich fürchte, Emma kommt nach mir. Denn sämtliche logischen und pädagogisch einwandfrei vorgetragenen Argumente („der wird doch dann schmutzig, das wäre doch schade, oder?“) schmettert sie mit Gegenargumenten („aber ich gehe heute gar nicht in den Sandkasten, und ich male auch gar nicht, und mit kleben bin ich eh fertig!“) ab.

An diesem Punkt fange ich an, zu differenzieren. Um die eigenen Kräfte so gut wie möglich zu portionieren, gilt es abzuwägen, welchen Kampf es sich zu kämpfen lohnt, und welchen nicht
.
An diesem Tag läuft stolziert sie mit geschwellter Brust und gehobenem Haupt im lila Tüll-Röckchen im Kindergarten ein. (Und ich bin mir nicht sicher, ob die Kindergärtnerin mir glaubt, als ich etwas zu euphorisch achselzuckend darauf hin weise, dass ich damit absolut nichts zu tun habe)
Denn Emma ist zäh. Sehr zäh. Sie argumentiert. Sie beschwört. Sie bezirzt. Brüllt. Flucht. Beleidigt. Wirft Gegenstände und klopft Macken in Türen. Um dem ganzen den nötigen dramaturgischen Biss zu verleihen, sperrt sie sich durchaus auch selbst im Bad ein und wimmert ohrenbetäubend (bei offenem Fenster). „Meine Mama hat mich eingesperrt. Meine Mama hat mich gehauen! Meine Mama lässt mich nie wieder raus.“
Und wenn ich dann irgendwann alle inneren Arschbacken und Zähne zusammenkneifend mit meiner zartesten Stimme an die Tür gehe und sie frage, ob sie sich nun wieder beruhigen möchte… „Nein! Ich will nicht nicht beruhigen! Ich will meinen Joghurt mit dem Stäbchen essen!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s