Zauber und Staub

Mein Brautkleid

konnte ich bereits mit 10 Jahren ziemlich detailgenau aufzeichnen. Und tat es mit Hingabe. Ich träumte von diesem Tag, seit ich ein kleines Mädchen war. Meine Hochzeit. In weiß. Mit Schleier und Schleppe und … Nun ja, Bräutigam schon auch. Pferdekutsche eventuell. Oder Oldtimer.

Jetzt, gute 5 Jahre nach dem großen Tag, 8 Monate nach der Trennung und 6 Monate, nachdem Emma und ich aus der Familienwohnung ausgezogen sind, steht es immer noch in einem großen Karton im Keller. Mit Schleier. Und Schleppe. Und all dem Schmutz, den man innerhalb der 24 wichtigsten Stunden im Leben einer Frau eben so aufsammelt.
Zuerst wollte ich es nicht verkaufen, weil ich es ja erst reinigen lassen müsste und das wäre teuer… Und vielleicht könnte man es einfärben und umnähen… Dann wollte ich es nicht verkaufen, weil es der letzte Rest des großen Mädchentraums war, den ich noch hatte, und den mir verdammt noch mal niemand wegnehmen konnte, auch wenn der Reißverschluss wohl kaum noch zugehen würde und überhaupt – wozu braucht man ein Brautkleid denn bitte noch mal?
Und jetzt… Sollte ich es wohl verkaufen. Oder verschenken. Oder… Verbrennen. Die Asche ins Meer streuen. Mich verabschieden. Weinen. Trauern. Abschließen.
Vielleicht wäre ich dann bereit, zu akzeptieren, dass ein Kleid nur ein Kleid ist. Ein Tag, nur ein Tag und eine Hochzeit… Wenn es hart auf hart kommt… Eben nur eine Hochzeit.

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