Zauber und Staub

Der Singvogel

„Und wenn wenn es mir nicht mehr gefällt, dann suche ich mir einfach was anderes. Und gehe.“ Wie gern könnte ich das auch sagen.
Wie gern würde ich auch einfach gehen können.
Das ist das Flüchtlingsgen, sagt meine Mutter. Meine Großeltern sind als Flüchtlinge mit „nichts“ nach Deutschland gekommen, und mit Traditionen und Genen kann man schließlich alles begründen.
Depression, Flucht-Wahn, Krebs.
Doch man nimmt sich selbst mit. Und eigentlich will man auch nicht einfach gehen, allein. Ohne jemand und wegen niemand. Wir wollen doch alle zu irgendwem gehören. Irgendwann irgendwo zuhause sein.
„Schläfst du manchmal schlecht?“ wer tut das nicht? Ich denke… zur Zeit ist es besser, es war schon schlechter, doch ich fühle, dass es ab heute wieder schlechter werden könnte.
Es ist fast ein Uhr. Mein Körper will schlafen, doch mein Herz rast. Meine Gedanken laufen, wohin, wohin… weg… weit weg. Zu Dir.
„Ich schicke Dir ein Lied, zum Einschlafen.“
Wir kennen uns nicht. Kaum gesehen… vielleicht 5 mal haben sich unsere Blicke gekreuzt, du wirst dich nicht einmal daran erinnern. 2 braune Augenpaare. Wir kennen uns nicht, doch du scheinst mich sofort zu er-kennen. Klavierklänge, sanfte Stimmen, ein seltsames Ankommen, ohne vorher aufgebrochen zu sein.
Mein Herz rast. Die Sehnsucht, dieses Biest, sie hat mich wieder.
Einem Singvogel im Käfig geht es gut, solang er die Freiheit nicht kennt. Er ist vielleicht manchmal melancholisch, weil er erahnt, dass es noch mehr geben muss… doch was bricht los, wenn er feststellt, dass es tatsächlich mehr gibt? Es gibt kein Halten mehr. Und winken das trockene Zuhause und sichere Essen, die beruhigende Eintönigkeit auch noch so verlockend. Raus. Weg. Mehr! Mehr davon! Kein Halten. Auf in den Himmel, mit den Wolken tanzen, abstürzen, emporsteigen, Sternschnuppen fangen.
Kennen wir uns aus einem früheren Leben? Ich glaube nicht an solche Dinge. Dann eher noch an die Sache mit den Genen. Doch irgendwie sprechen wir die selbe Sprache.
„Das wird nie zu etwas führen.“ Muss es auch gar nicht.
Denn wir sind längst da.

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