Zauber und Staub

Mandeln

sind etwas, was wirklich kein Mensch braucht. Und ich meine nicht die knackigen, äußerst fetthaltigen, aber sehr gesunden Mandelkerne – ich meine diese kleinen fiesen Dinger im Hals, die zum Lymphdrüsensystem des Körpers gehören. Die sind doch wirklich für nichts zu gebrauchen, schwellen willkürlich an und machen nur Ärger.
Emmas Mandeln sind momentan so groß wie kleine Murmeln. Es sieht furchteinflößend aus – stört sie allerdings nicht im geringsten beim Salamibrot oder Kekse essen. Der Kinderarzt, zu dem ich langsam fast etwas wie eine väterlich-freundschaftliche Bindung verspüre, weil wir ihn in diesem Monat nun schon das dritte Mal besucht haben, meinte nur: „Solang es ihr nichts weh tut, ist es nicht weiter schlimm“.
Guter Rat.
Sehr guter Rat – solang das Kind weiter Salamibrot und Hello-Kitty-Kekse essen kann, ist alles halb so wild. Das sollte er ruhig mal den drei bis sieben Kindergärtnerinnen erzählen, die mich mittlerweile diesen Monat auch schon das dritte Mal angerufen haben, ich solle Emma doch bitte schnell vom Kindergarten holen, sie sei so krank.
“Ach ja, was hat sie denn?“ „Ihre Mandeln sind furchtbar geschwollen und sie hat Schmerzen.“ (Ich weiß, dass Emma morgens allen Kindergärtnerinnen sicher zuerst Ihre Mandeln gezeigt hat!) „Sie hat Schmerzen? Sagt sie das?“ (Und ich kann mir bildhaft vorstellen, wie die Kindergärtnerin in freudiger Erwartung, wenigstens eine der 47  Rotznasen wieder loszuwerden meine kleine Piratenprinzessin mit mitleidiger Miene ansieht und fragt „Tut dir dein Hals ganz arg weh?“ Und Emma natürlich NICHT „Nö, passt schon!“ antwortet…)
Es macht keinen Sinn, am Telefon mit Kindergartenpersonal zu diskutieren, ob und wie krank das eigene Kind wirklich ist. Und da ich diese Woche Urlaub habe, und an diesem herrlichen Morgen wirklich nichts wichtigeres zu tun hatte, als mich einfach nur mal zu entspannen, ziehe ich mich natürlich sofort an und fahre los. Entspannen. Frei haben. Als Mutter, was fällt mir ein.

Ich entdecke mein Kind, wie es „total krank“ mit allen anderen Kindern fröhlich im Morgen-Kreis sitzt und wie wild auf die Klanghölzer eindrischt. (Fragt jemand die Klanghölzer, ob ihnen das „ganz arg weh“ tut?!)
Sie schaut mich völlig irritiert an. Dann dämmert es ihr. Der Blick wird leidend. Sie streckt die Arme aus: „Mama, du musst mich tragen, ich habe Mandeln. Wenn man Mandeln hat, muss man getragen werden.“

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