Zauber und Staub

Besuch

ist etwas Wunderbares. Und ich denke darüber nach, wieso „Besuch bekommen“ für mich immer bedeutet, dass Emma schnellstmöglich abgespeist und hingelegt werden muss, damit ich meine (mir sehr heilige) Mittagspause möglichst effektiv dafür nutzen kann, die Küche zu putzen, die Wäsche wegzuräumen, nur „mal schnell durchzusaugen“ und im Bad „zumindest das Waschbecken“ zu reinigen. Ich würde mich als ordentliche Hausfrau bezeichnen, ich erledige all diese Dinge  mehr oder weniger regelmäßig -gelernt ist schließlich gelernt-, und dennoch…

Heute Mittag kommt Caroline mit Ihren beiden kleinen Kindern. Marie und dem Baby. Caroline fällt in die Kategorie „Hauptberufliche Hausfrau und Mutter“, damit betrachtet sie zumindest Brösel am Boden und herumliegendes Spielzeug als einigermaßen normal. Trotzdem versuche ich, die Wohnung aussehen zu lassen, als wäre ich diese Woche, abgesehen vom Schlafen, nicht jeden Tag nur ca 2 Stunden zuhause gewesen. Ich habe sogar extra Kuchen ge…kauft.

Eine Spur härter ist ein Besuch meiner Mutter. Wenn sie sich ankündigt (wenn!) artet das regelrecht in Stress aus. „Räumst du mit Emma eigentlich nicht täglich ihr Zimmer auf? Das ist ein wichtiges Ritual für das Kind und dann sieht es einfach netter aus.“ Äh, nein. Und selbst wenn, man würde es nach einer halben Stunde nicht mehr erkennen können, da knapp dreijährige von „netter, aufgeräumter Atmosphäre“ irgendwie noch nicht sehr  viel halten. Ich frage mich, ob es bei anderen Leuten (ok, bei meiner Mutter weiß ich es) einfach immer ordentlich und sauber ist, oder ob wir uns nicht alle jede Menge Druck und Arbeit ersparen könnten, wenn wir einfach nicht so tun würden, als wäre es immer so.

Es gibt Menschen, die können mich besuchen, und es ist mir völlig egal, wie es aussieht. Das sind ungefähr… 2. Meine Schwester und Kathrin, meine beste Freundin. Daraus ergibt sich die These, dass wir, je näher uns ein Mensch steht, umso weniger aufräumen, bevor er uns besucht. Wer jeden dunkelsten Seelenschrott und jeden hintersten Gedanken-Müllplatz des anderen kennt, dem ist es wohl relativ schnuppe, ob der Küchentisch nach dem Mittagessen abgewischt wurde oder nicht.

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