Nachbarschaft - Hilfe!

Das Fahrrad

„Mein Fahrrad ist weg!“ ich habe Svenja selten so entsetzt und in Panik erlebt, wie an diesem Morgen, als sie um 9:30h auf meinem Handy anrief, um mir mitzuteilen, dass ihr Fahrrad gestohlen worden war.
„gestern Abend war es noch da, und jetzt ist es weg!“ „wie weg? Bei uns? Vor der Haustür?“
Dazu muss man wissen, dass „bei uns vor der Haustür“ bedeutet: innerhalb des Gartenzauns unserer „Kommune“, und derzeit zusätzlich hinter zahlreichen Absperr-Vorrichtungen einer Dauerbaustelle (die Ihres Zeichens eigentlich einen eigenen Artikel verdient hätte…).
Hier muss also definitiv ungebändigte kriminelle Energie im Spiel gewesen sein. Das Fahrrad ist nicht einfach nur weg, es wurde gestohlen. Und zwar nicht irgendwo, sondern hier, bei UNS.
„Wer tut denn sowas? Wie soll ich denn jetzt zur Arbeit kommen? Und einkaufen? Und…?“
Svenja das Fahrrad zu stehlen ist ungefähr so, als würde man Schumi seinen Ferrari (ja ich weiß… Trotzdem!) oder Lukas seine Lokomotive nehmen. „Und ich habe gerade erst noch 120 Euro reingesteckt!“ (was für eine allein erziehende Mutter ein ernsthaftes Vermögen ist).
Doch nicht nur das. Das innerhalb unserer heimischen Zaungrenzen verschwundene Fahrrad bringt das mühsam aufgebaute und mit noch mehr Mühe erhaltene Gleichgewicht gefährlich ins Wanken. „es kann ja eigentlich nur einer von UNS gewesen sein.“ Und da es relativ unwahrscheinlich ist, dass Frau Fischer’s (ca 76) oder Frau Maier’s (dito) kriminelle oder sonst welche Energie ausreichend wäre, Svenja’s Mitbewohnerin Lisa und ich kategorisch als Täter wegfallen, wird der Kreis der Verdächtigen immer kleiner.
“
Es muss einer von den Jungs gewesen sein!“ Die Jungs sind der Zahl nach 3. Einmal mein Halb-Gängster von oben drüber (ca 17), dann die beiden Söhne von Hubers (ca 17 und 19). Einzeln und bei Licht betrachtet sind sie an sich völlig harmlose, nette Kerle. Aber zusammen und samt Gefolge von weiteren 5-7 ihresgleichen, würde man Ihnen die Tat durchaus zutrauen.
Praktischer Weise lungern sie in gewohnter Trauben-Formation vor dem Haus rum, als ich Svenja zur Aufmunterung zum gemeinsamen Einkaufen abhole. „ihr habt nicht zufällig gesehen, wie jemand mein Fahrrad mitgenommen hat?“ Svenja’s zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen sagen eigentlich: „welcher von Euch Idioten hat mein Rad auf dem Gewissen?!“
„Meinst du das da?!“
Und da. Steht es. Das Fahrrad. Es ist wieder da.
„das hat der Timo vorhin da vorne in der Hecke gefunden!“ In der Hecke. Is klar. „und wie ist es da bitte hingekommen?“ „ich hab nur so von weitem Gesehen, wie so ein Türke oder so es da einfach hingeschmissen hat.“
Ein Türke. Natürlich.
Allen ist klar, dass allen klar ist, dass das nicht die wahre Geschichte ist, aber die Freude über das heimgekehrte Fahrrad ist größer und zumindest der Polizeibeamte, bei dem Svenja am Abend telefonisch ihre Anzeige gegen „Unbekannt“ zurückzieht, hatte vor seinem Feierabend noch ordentlich was zu Lachen.

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